Meier
1890Ein junger Mann mit Namen Meier Lief täglich vor ihr auf und ab. Er gab ihr fünfundzwanzig Dreier, Daß sie ihm ihre Liebe gab.
Sie zählte sehr besorgt die Pfennige Und legte sie in einen Schrank. Allein es schienen ihr zu wenige, Sie wünschte etwas Silber mang.
Er dachte an die Ladenkasse. Und eines Tages ward bekannt, Daß Rosa sich betreffs befasse, Doch Meier sich in Haft befand.
So geht es in der Welt zuweilen: Der erste mußt′ die Klinke ziehen - Der zweite soll sich nur beeilen, Das Fräulein wartet schon auf ihn.
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Interpretation
Das Gedicht "Meier" von Klabund erzählt die Geschichte eines jungen Mannes namens Meier, der täglich vor einer Frau auf und ab läuft. Er gibt ihr fünfundzwanzig Dreier, um ihre Liebe zu gewinnen. Die Frau zählt die Münzen sorgfältig und legt sie in einen Schrank, findet sie jedoch zu wenig und wünscht sich etwas Silber. Die Handlung nimmt eine Wendung, als Meier an die Ladenkasse denkt und eines Tages bekannt wird, dass Rosa sich wegen des Geldes erkundigt, während Meier inhaftiert wurde. Das Gedicht endet mit einer moralischen Aussage über die Unberechenbarkeit des Lebens: Der Erste muss die Klinke ziehen, aber der Zweite sollte sich beeilen, denn das Fräulein wartet bereits auf ihn. Klabund nutzt eine einfache, aber effektive Sprache, um die Tragik und Ironie der Situation zu vermitteln. Das Gedicht zeigt, wie schnell sich das Schicksal wenden kann und wie Menschen oft nur Mittel zum Zweck sind. Die letzte Strophe verdeutlicht, dass das Leben oft unfair ist und dass manchmal derjenige, der zuerst kommt, nicht unbedingt derjenige ist, der bleibt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Rosa sich betreffs befasse
- Antithese
- Der erste mußt′ die Klinke ziehen - Der zweite soll sich nur beeilen
- Bildsprache
- Er gab ihr fünfundzwanzig Dreier
- Ironie
- So geht es in der Welt zuweilen
- Reimschema
- abab
- Rhythmus
- Ein junger Mann mit Namen Meier Lief täglich vor ihr auf und ab.