Meeresstille

Joseph von Eichendorff

1857

Ich seh von des Schiffes Rande Tief in die Flut hinein: Gebirge und grüne Lande Und Trümmer im falben Schein Und zackige Türme im Grunde, Wie ich′s oft im Traum mir gedacht, Wie dämmert alles da unten Als wie eine prächtige Nacht.

Seekönig auf seiner Warte Sitzt in der Dämmrung tief, Als ob er mit langem Barte Über seiner Harfe schlief; Da kommen und gehen die Schiffe Darüber, er merkt es kaum, Von seinem Korallenriffe grüßt er sie wie im Traum.

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Illustration zu Meeresstille

Interpretation

Das Gedicht "Meeresstille" von Joseph von Eichendorff beschreibt eine ruhige, fast traumhafte Szene auf dem Meer. Der Sprecher blickt vom Rand des Schiffes in die Tiefe und sieht eine faszinierende Unterwasserwelt, die an einen Traum erinnert. Die Bilder von Gebirgen, grünen Landen und zackigen Türmen, die im fahlen Licht schimmern, erzeugen eine geheimnisvolle und märchenhafte Atmosphäre. Die Dämmerung unter Wasser wird mit einer "prächtigen Nacht" verglichen, was die Schönheit und den Zauber dieser verborgenen Welt unterstreicht. Im zweiten Teil des Gedichts wird der Seekönig vorgestellt, der auf seinem Korallenriff in der Tiefe sitzt. Er wird als eine schlafende Gestalt mit langem Bart dargestellt, die über seiner Harfe ruht. Diese Darstellung verleiht dem Seekönig eine mythische und märchenhafte Qualität. Die Schiffe, die über ihm hinwegfahren, nehmen ihn kaum wahr, und er grüßt sie wie im Traum. Diese Interaktion zwischen der realen Welt der Schiffe und der Traumwelt des Seekönigs betont die Trennung zwischen der Oberfläche und der Tiefe des Meeres. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Gefühl von Ruhe, Geheimnis und Schönheit. Die Unterwasserwelt wird als ein Ort der Träume und der Fantasie dargestellt, der sich von der realen Welt abhebt. Der Seekönig als Symbol für die Tiefe und das Unbekannte des Meeres unterstreicht die Faszination und die Unergründlichkeit der Natur. Das Gedicht lädt den Leser ein, in diese traumhafte Welt einzutauchen und sich von ihrer Schönheit verzaubern zu lassen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Tief in die Flut hinein: Gebirge und grüne Lande Und Trümmer im falben Schein Und zackige Türme im Grunde
Metapher
Seekönig auf seiner Warte
Personifikation
Seekönig auf seiner Warte / Sitzt in der Dämmrung tief
Symbolik
Seekönig auf seiner Warte
Vergleich
Wie ich's oft im Traum mir gedacht