Meeresstille
1794Wirf Rosenblätter in die Flut, sie ist so spiegelglatt. Ich fische sie mit meinem Hut und küsse jedes Blatt, und, und küsse jedes Blatt.
Und streust du Blätter auf das Meer, so schaust du selbst hinein, dann schwimmen zwischen ihnen her vier volle Röselein: vier, vier volle Röselein.
Die Wangen und die Lippen dein, sie mein′ ich alle vier. Ach schwämmen diese Röselein doch auch heran zu mir, doch, doch auch heran zu mir.
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Interpretation
Das Gedicht "Meeresstille" von Wilhelm Müller handelt von der Sehnsucht nach einer geliebten Person und der Unerreichbarkeit dieser Liebe. Der Sprecher wirft Rosenblätter ins ruhige Meer und fischt sie mit seinem Hut wieder heraus, um sie zu küssen. Dies symbolisiert die vergebliche Suche nach der Nähe der Geliebten. Die Rosenblätter stehen für die Schönheit und Reinheit der Liebe, die jedoch im weiten Meer der Einsamkeit verloren geht. In der zweiten Strophe wirft der Sprecher Blätter ins Meer und sieht sein eigenes Spiegelbild darin. Zwischen den Blättern schwimmen vier volle Rosen, die die Wangen und Lippen der Geliebten repräsentieren. Die vier Rosen symbolisieren die vollständige Schönheit der Angebeteten, die jedoch unerreichbar bleibt. Der Sprecher sehnt sich danach, dass diese Rosen zu ihm schwimmen mögen, was seine tiefe Sehnsucht nach der Liebe und Nähe der Geliebten verdeutlicht. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung und verdeutlicht die Unmöglichkeit, die gewünschte Liebe zu erlangen. Die Wiederholungen und der Refrain verstärken die emotionale Intensität und den unerfüllten Wunsch des Sprechers. Müller nutzt die Metapher des Meeres und der Rosenblätter, um die Schönheit und Vergänglichkeit der Liebe sowie die damit verbundene Sehnsucht und Einsamkeit auszudrücken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- doch, doch auch heran zu mir
- Metapher
- das Meer als Spiegel
- Personifikation
- das Meer, das die Blätter schwimmen lässt
- Symbolik
- vier volle Röselein als Symbol für die vier Gesichtspartien (Wangen und Lippen)