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Meeraugen

Von

Was will in deinen Augen
mir das dunkelvolle, fremde Weh,
so tief und schwer?
Wie Stürme, die Ruhe suchten
im Schoß der grauen See.

Versinken will, versinken mir
in dieser Augen tiefen Schoß
mein Herz –
und will
wie du so still
so wild an dein Herz schlagen,
dann brechen die Stürme los!

Und will dich wiegen so mit mir
in rasender, lachender Seligkeit
auf freiem Meer!
Bis tief und sehr
die Herzen wieder ruhen,
ruhen vom Sturm und Streit.

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Gedicht: Meeraugen von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Meeraugen“ von Richard Dehmel ist eine eindringliche Liebeserklärung, die tiefgründige Emotionen und die Sehnsucht nach Vereinigung mit dem geliebten Menschen in den Fokus rückt. Der Titel deutet bereits auf die Augen der geliebten Person als zentrale Metapher hin, die die Tiefe und Weite des Meeres in sich bergen und so die Intensität der Gefühle des Sprechers spiegeln. Der Autor nutzt maritime Bilder, um die Gefühlslandschaft zu beschreiben und die Dramatik der Liebe darzustellen.

Die ersten Strophen drücken zunächst eine Frage nach dem Leid in den Augen der Geliebten aus und erforschen die Traurigkeit, die darin verborgen ist. Die Vergleiche mit „Stürmen“ und der „grauen See“ unterstreichen die schwere, unruhige Natur des Gefühlslebens. Der Sprecher wird von diesen dunklen Gefühlen angezogen und möchte in die Tiefe der Augen eintauchen, was eine Sehnsucht nach Nähe und Verständnis offenbart. Das „Versinken“ des Herzens in diesen Augen zeugt von dem Wunsch nach völliger Hingabe und Verschmelzung.

Im zweiten Teil des Gedichts findet eine Wandlung statt, in der die Sehnsucht nach dem Sturm und dem Ausbruch der Gefühle dominiert. Der Sprecher sehnt sich danach, gemeinsam mit der Geliebten in „rasender, lachender Seligkeit“ auf dem „freien Meer“ zu tanzen. Die Liebe wird hier als ein kraftvolles, ungebändigtes Element dargestellt, das sowohl Freude als auch Zerstörung in sich trägt. Die Vorstellung vom Wiegen und dem gemeinsamen Erleben der Stürme symbolisiert die Bereitschaft, alle Höhen und Tiefen der Liebe gemeinsam zu durchleben.

Der abschließende Vers „bis tief und sehr / die Herzen wieder ruhen, / ruhen vom Sturm und Streit“ deutet auf ein finales Ziel der inneren Einkehr und des Friedens hin. Nach dem Aufruhr der Leidenschaft soll eine tiefe, ruhige Harmonie entstehen. Das Gedicht zeichnet somit einen Kreis von Sturm und Ruhe, von Sehnsucht und Erfüllung, und verdeutlicht die komplexen, widersprüchlichen Emotionen, die mit der Liebe einhergehen. Es ist eine Ode an die Leidenschaft, die aber auch die Suche nach innerem Frieden beinhaltet.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.