Maylied [2]
1748Alles liebet! Liebe gleitet Durch die blühende Natur, Liebe zeuget Blumen, breitet Manchen Teppich auf die Flur. Das verliebte Haingefieder, Das sich neue Zellen baut, Tönet süße Liebeslieder, Wenn der May vom Himmel thaut.
Liebe malt jezt hellre Rosen Um den Mund der Schäferin, Schäferin und Schäfer kosen Manche goldne Stunde hin. Sizen unter Apfelblüthen, Arm in Arm, und Paar an Paar, Kleine Liebesgötter bieten Nektar ihren Lippen dar.
Unschuld blickt aus ihren Minen, Unschuld ihres Standes Loos, Rothe Blüthen taumeln ihnen Aus dem Wipfel in den Schoos. Blau und golden schwebt der Aether Im bebüschten Gartenteich, Alle Blüthen werden röther, Werden Edens Blüthen gleich.
Durch die Blumen, durch die grünen Kräuter, die der Sonnenschein Übergoldet, summen Bienen, Sammeln süßen Nektar ein. Alles hauchet Scherz und Freude, Wo des Frühlings Odem bläst, Die Natur, im Blumenkleide, Feirt ein allgemeines Fest.
Alles küßt jetzt! Küße flüstern In beschatteten Alleen, Wo die Liebenden in düstern Buchenlabyrinthen gehn. Küße rauschen in den Lauben, Um die Abenddämmerung, Küße geben, Küße rauben Ist der Welt Beschäftigung.
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Interpretation
Das Gedicht "Maylied" von Ludwig Christoph Heinrich Hölty ist ein lyrisches Loblied auf den Mai als Monat der Liebe und der Natur. Der Sprecher beschreibt, wie die Liebe in der blühenden Natur allgegenwärtig ist und alles durchdringt. Vögel bauen Nester und singen Liebeslieder, während Schäfer und Schäferinnen sich unter Apfelblüten küssen und in Unschuld und Glück versunken sind. Die Natur wird als ein Fest der Liebe und Freude dargestellt, bei dem sogar die Bienen Nektar sammeln und die Blumen in voller Blüte stehen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Intensität der Liebe und der körperlichen Zärtlichkeiten noch gesteigert. Der Sprecher beschreibt, wie Küsse in schattigen Alleen und verwinkelten Buchenwäldchen ausgetauscht werden. Die Liebenden geben und rauben sich Küsse in der Abenddämmerung, und die ganze Welt scheint sich in diesem Liebesrausch zu befinden. Die Natur wird als ein Ort der sinnlichen Erfahrungen und der romantischen Begegnungen dargestellt, in dem die Liebe allgegenwärtig und unaufhaltsam ist. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine romantische und idealistische Sicht auf die Liebe und die Natur im Mai. Der Sprecher feiert die Schönheit der Jahreszeit und die Kraft der Liebe, die alles durchdringt und belebt. Die Natur wird als ein Ort der Unschuld, des Glücks und der sinnlichen Erfahrungen dargestellt, in dem die Liebenden in vollen Zügen schwelgen können. Das Gedicht ist ein Loblied auf die Liebe und die Natur und lädt den Leser ein, sich von der Schönheit des Mai verzaubern zu lassen.
Schlüsselwörter
Wortwolke
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Stilmittel
- Alliteration
- Die verliebte Haingefieder
- Metapher
- Natur, im Blumenkleide
- Personifikation
- Küße flüstern in beschatteten Alleen