Mattgelb
»O toi, que j′eusse aimée …«
Einmal sollte durch mein Leben
Jene Hand, die blasse, schweben,
Wie ein Lenzwind … duftbethaut …
In der Seele müden Saiten
Hört′ ich leise, zärtlich gleiten
Wundersamen Äolslaut …
Immer tiefer wollt′ es schwellen …
Hab′ mich an den dunklen Wellen,
An dem süssen Klang gelabt …
Und ich weiss, mit tiefem Bangen,
Jene Hand ist früh vergangen …
Weil ich sie zu lieb gehabt …
Und ich weiss … in sel′gen Hainen,
Wo die lichten Brunnen weinen,
Lag ich einst vor dir auf Knien.
Fernher bebte Glockenläuten …
Matte gelbe Rosen streuten
Ihre Blätter um uns hin …
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Mattgelb“ von Lisa Baumfeld ist eine melancholische Reflexion über eine verflossene Liebe und die damit verbundenen Gefühle von Sehnsucht, Verlust und Trauer. Die Autorin bedient sich einer romantischen Bildsprache, um die Tiefe ihrer Emotionen auszudrücken. Das Zitat aus dem Französischen, „O toi, que j’eusse aimée …“, was übersetzt „Oh du, die ich geliebt hätte…“ bedeutet, setzt den Ton des Bedauerns und der ungelebten Möglichkeiten.
Das Gedicht zeichnet sich durch eine Atmosphäre der Vergänglichkeit und des Abschieds aus. Das Motiv der „blassen Hand“ symbolisiert die flüchtige Präsenz der geliebten Person, die wie ein „Lenzwind“ durch das Leben der Autorin weht. Die Metapher der „müden Saiten der Seele“ deutet auf die tiefe emotionale Erschöpfung und die Verletzlichkeit hin, die mit der Liebe einhergeht. Die „wundersamen Äolslaut“ repräsentieren die flüsternden Erinnerungen und die sanften Klänge der Vergangenheit, die die Autorin in ihren Bann ziehen. Die Zeilen „Immer tiefer wollt‘ es schwellen … Hab‘ mich an den dunklen Wellen, An dem süssen Klang gelabt …“ zeigen das intensive Eintauchen in die Gefühle der Liebe, die gleichzeitig Freude und Schmerz bereiten.
Das Gedicht erreicht seinen Höhepunkt im Gefühl des Verlustes und der Gewissheit, dass die Liebe vorüber ist. Die Zeilen „Und ich weiss, mit tiefem Bangen, Jene Hand ist früh vergangen … Weil ich sie zu lieb gehabt …“ drücken die Erkenntnis aus, dass die Liebe zu intensiv, zu unmittelbar war und letztendlich zum Untergang führte. Die Autorin reflektiert über die Zerstörung, die mit dem Verlust einhergeht, und die tiefe Trauer, die dadurch ausgelöst wurde.
Das Bild der „sel’gen Hainen“, in denen „die lichten Brunnen weinen“, und die „matte gelbe Rosen“, die ihre Blätter streuten, vermitteln eine Szenerie von vergangenem Glück und tiefer Sehnsucht. Die Farbe „mattgelb“ selbst, die dem Gedicht den Titel gibt, kann als Symbol für verblassende Schönheit, Vergänglichkeit und die Nachwirkung der Erinnerung interpretiert werden. Die Anwesenheit der gelben Rosen und des Glockenläutens suggerieren eine idyllische, aber verlorene Welt. Baumfeld nutzt diese symbolischen Bilder, um die tiefe Traurigkeit und den Schmerz des Verlustes auszudrücken, die sich in der Seele verankert haben.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.