Marschlied
1915Wir Wand’rer zum Tode, Der Erdnot geweiht, Wir kranzlose Opfer, Zu letzten bereit.
Wir fern aller Freude Und fremd aller Qual. Wir Blütenverwehte Im nächtlichen Tal.
Wir Preis einer Mutter, Die nie sich erfüllt, Wir wunschlose Kinder, Von Schmerzen gestillt.
Wir Tränen der Frauen, Wir lichtlose Nacht, Wir Weisen der Erde Ziehn stumm in die Schlacht.
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Interpretation
Das Gedicht "Marschlied" von Ernst Toller zeichnet ein düsteres und trostloses Bild von Soldaten, die in den Tod marschieren. Die ersten beiden Strophen beschreiben die Soldaten als "Wand'rer zum Tode" und "kranzlose Opfer", die der "Erdnot geweiht" sind und bereit sind, ihr Leben zu opfern. Sie sind "fern aller Freude" und "fremd aller Qual", verglichen mit "Blütenverwehten im nächtlichen Tal", was ihre Hoffnungslosigkeit und Isolation unterstreicht. In der dritten Strophe wird die Verbindung der Soldaten zu ihren Müttern betont, die nie ihre Sehnsucht erfüllen konnten. Die Soldaten werden als "wunschlose Kinder" dargestellt, die von Schmerzen gestillt werden, was ihre Resignation und den Verlust jeglicher Hoffnung verdeutlicht. Die vierte Strophe verwendet Metaphern wie "Tränen der Frauen" und "lichtlose Nacht", um die Trauer und das Dunkel zu symbolisieren, das die Soldaten umgibt. Sie werden als "Weisen der Erde" bezeichnet, die "stumm in die Schlacht" ziehen, was ihre Weisheit und die Tragik ihrer Situation hervorhebt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefgreifende Traurigkeit und Resignation, die den Sinnlosen und tragischen Charakter des Krieges unterstreicht. Die Soldaten werden als Opfer dargestellt, die in einem Zyklus von Schmerz und Verlust gefangen sind, ohne Aussicht auf Erlösung oder Freude. Das "Marschlied" dient als eindringliche Erinnerung an die menschlichen Kosten des Krieges und die tiefe Trauer, die er hinterlässt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wir wunschlose Kinder, / Von Schmerzen gestillt
- Anapher
- Wir Wand'rer zum Tode, / Der Erdnot geweiht, / Wir kranzlose Opfer, / Zu letzten bereit.
- Hyperbel
- Wir Preis einer Mutter, / Die nie sich erfüllt
- Metapher
- Wir Blütenverwehte / Im nächtlichen Tal.
- Personifikation
- Wir Tränen der Frauen, / Wir lichtlose Nacht, / Wir Weisen der Erde