Marienlied
1788Wenn ins Land die Wetter hängen Und der Mensch erschrocken steht, Wendet, wie mit Glockenklängen, Die Gewitter Dein Gebet, Und wo aus den grauen Wogen Weinend auftaucht das Gefild, Segnest Du′s vom Regenbogen - Mutter, ach, wie bist Du mild!
Wenns einst dunkelt auf den Gipfeln Und der kühle Abend sacht Niederrauschet in den Wipfeln: O Maria, heilge Nacht! Laß mich nimmer wie die andern, Decke zu der letzten Ruh Mütterlich den müden Wandrer Mit dem Sternenmantel zu.
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Interpretation
Das Gedicht "Marienlied" von Joseph von Eichendorff beschreibt die milde und schützende Natur der Mutter Maria. Es beginnt mit der Darstellung einer bedrohlichen Wetterlage, bei der der Mensch erschrickt. Doch Maria wendet mit ihrem Gebet das Gewitter ab, wie mit Glockenklängen. Selbst wenn die Felder aus den grauen Wogen weinend auftauchen, segnet sie sie vom Regenbogen aus. Der Sprecher bewundert Marias Milde und ruft sie als Mutter an. Im zweiten Teil des Gedichts beschreibt der Sprecher eine Abendstimmung auf den Berggipfeln. Der kühle Abend rauscht sacht in den Wipfeln nieder. Der Sprecher sehnt sich nach der heiligen Nacht und ruft Maria an. Er bittet sie, ihn nicht wie die anderen zu verlassen, sondern ihn mütterlich mit ihrem Sternenmantel zuzudecken, wenn er als müder Wanderer seine letzte Ruhe findet. Das Gedicht endet mit der Bitte, von Maria beschützt und geborgen zu sein.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostroph
- O Maria, heilge Nacht!
- Bildsprache
- Und der kühle Abend sacht Niederrauschet in den Wipfeln
- Hyperbel
- Mit dem Sternenmantel zu
- Metapher
- Und wo aus den grauen Wogen Weinend auftaucht das Gefild
- Personifikation
- Und der Mensch erschrocken steht
- Symbolik
- Segnest Du's vom Regenbogen