Marie, so frisch im Rot leuchten dir beide Wangen...

Pierre de Ronsard

1549

Marie, so frisch im Rot leuchten dir beide Wangen,Einer Mairose gleich; kastanienbraun dein Haar,Oder auch dunkler, spielt in tausend Locken zart,Davon die schönsten dir zierlich das Ohr umfangen.Als du noch Kind warst, hat einst eine kleine BieneVon deinen Lippen reinen Nektar aufgelesen;In deinem Auge hat Amor den Pfei1 vergessen;Es schenkte Pitho selbst dir deine schöne Stimme.Und deiner kleinen Brüste milchweißes Hügelpaar:Sie runden, heben sich, so wie im jungen JahrZwei runde Knospen sich aus ihrem Blattwerk heben.Von Grazien kommt dein Reiz, und Juno lieh den Arm,Aurora selbst schenkte die Stirne dir und Hand, -Dein Herz jedoch, Marie, stammt von grausamen Löwen.

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Interpretation

Das Gedicht "Marie, so frisch im Rot leuchten dir beide Wangen" von Pierre de Ronsard ist ein Loblied auf die Schönheit der namenlosen Marie. Der Dichter vergleicht ihre roten Wangen mit einer Mairose und ihr kastanienbraunes oder dunkleres Haar mit tausend zarten Locken, die ihr Ohr umspielen. Er erinnert sich an ihre Kindheit, als eine Biene den reinen Nektar von ihren Lippen trank und Amor seinen Pfeil in ihrem Auge vergaß. Pitho, die Göttin der Überredungskunst, schenkte ihr ihre schöne Stimme. Der Dichter beschreibt auch die milchweißen Brüste der Marie, die sich wie zwei runde Knospen im jungen Jahr aus ihrem Blattwerk erheben. Er schreibt, dass ihr Reiz von den Grazien kommt und Juno, die Göttin der Ehe, ihr den Arm lieh. Aurora, die Göttin der Morgenröte, schenkte ihr Stirn und Hand. Doch ihr Herz stammt von grausamen Löwen, was auf eine mögliche Gefühlskälte oder Unnahbarkeit hindeutet. Insgesamt preist das Gedicht die äußere Schönheit der Marie in höchsten Tönen, vergleicht sie mit verschiedenen Göttinnen und Naturphänomenen. Doch der letzte Vers wirft einen Schatten auf diese idealisierte Darstellung, indem er auf eine mögliche Härte oder Gefühlskälte in ihrem Herzen hinweist. Das Gedicht ist ein typisches Beispiel für die höfische Liebespoesie der Renaissance, in der die Schönheit der geliebten Frau idealisiert und vergöttlicht wird.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Anspielung
Von Grazien kommt dein Reiz, und Juno lieh den Arm
Bildlichkeit
davon die schönsten dir zierlich das Ohr umfangen
Hyperbel
Es schenkte Pitho selbst dir deine schöne Stimme
Metapher
Dein Herz jedoch, Marie, stammt von grausamen Löwen
Personifikation
Aurora selbst schenkte die Stirne dir und Hand
Vergleich
Sie runden, heben sich, so wie im jungen Jahr Zwei runde Knospen sich aus ihrem Blattwerk heben