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Mannesbangen

Von

Du mußt nicht meinen,
ich hätte Furcht vor dir.
Nur wenn du mit deinen
scheuen Augen Glück begehrst
und mir mit solchen
zuckenden Händen
wie mit Dolchen
durch die Haare fährst,
und mein Kopf liegt an deinen Lenden:
dann, du Wehrlose,
beb ich vor dir…

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Gedicht: Mannesbangen von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Mannesbangen“ von Richard Dehmel handelt von der Ambivalenz der Liebe, von Furcht und Hingabe, von der Macht, die die Geliebte über den Mann ausübt. Es ist ein kurzes, aber intensives Bekenntnis, das die innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs offenbart. Die sprachliche Gestaltung ist prägnant und kraftvoll, wobei der Kontrast zwischen der anfänglichen Behauptung der Furchtlosigkeit und dem anschließenden, gestehenden Beben die zentrale These des Gedichts unterstreicht.

Das Gedicht gliedert sich in zwei deutliche Teile. Der erste Teil beginnt mit der entschiedenen Aussage „Du musst nicht meinen, / ich hätte Furcht vor dir.“ – eine klare Abwehr, die den Eindruck von Stärke und Kontrolle erwecken soll. Doch diese Fassade bröckelt, wenn die Geliebte ihre „scheuen Augen“ nach Glück ausstreckt und mit ihren „zuckenden Händen“ (der Metapher für Dolche) durch die Haare des Mannes fährt. In diesen Momenten der Intimität und Hingabe, wenn der Kopf des Mannes an ihren „Lenden“ ruht, zeigt sich seine wahre Verletzlichkeit.

Die Metaphorik spielt eine entscheidende Rolle. Die „scheuen Augen“ und die „zuckenden Händen“ erzeugen ein Bild von Zärtlichkeit, aber auch von Destruktivität, die die Macht der Geliebten verstärkt. Die „Dolche“ in den Händen deuten auf die Fähigkeit der Frau hin, den Mann emotional zu verletzen oder zu überwältigen. Die Verwendung des Wortes „Wehrlose“ für die Frau ist dabei ironisch, denn sie ist es, die die Kontrolle ausübt und den Mann in seinen Gefühlen gefangen hält. Der Ort, an dem der Kopf des Mannes an den „Lenden“ der Frau liegt, symbolisiert eine vollkommene Hingabe, welche die Spannung noch erhöht.

Das Gedicht ist ein Bekenntnis zur Liebe und zur Unterwerfung, ein Eingeständnis der eigenen Verwundbarkeit. Der Mann, der vorgibt, keine Furcht zu haben, offenbart am Ende seine wahre, emotionale Reaktion. Das Beben, das er verspürt, ist ein Zeichen der tiefen Leidenschaft, der Hingabe und der Abhängigkeit. Es ist die Angst vor dem Verlust, die Angst vor der Macht, die die Geliebte über ihn ausübt. Dehmel zeichnet hier ein Bild von männlicher Verletzlichkeit, das in seiner Direktheit und Ehrlichkeit beeindruckt.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.