Mann und Weib
1813Dem Weibe ist ein schönes Los beschieden, Was sie auch hat, sie hat es ganz und immer, Sie freut sich an des fernsten Sternes Schimmer, Allein sie schließt sich ab in klarem Frieden.
Der Mann wird nie so sehr vom Glück gemieden, Als er es meidet, denn er faßt es nimmer, Gleichgültig, wird es besser, wird es schlimmer, Er hört nicht auf, das Dasein umzuschmieden.
Ihr ist es, wie ein zugeworfner Faden, Sie hält sich dran, und schaudert vor den Wogen, Die unten dräun, und trinkt des Himmels Lüfte.
Er widersteht nicht, sich im Meer zu baden, Und forscht, vom hellen Leben abgezogen, Ob Gott sich nicht verbirgt im Schoß der Grüfte.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Mann und Weib" von Friedrich Hebbel kontrastiert die Wesensart und das Lebensgefühl von Mann und Frau. Die Frau wird als zufrieden und im Einklang mit ihrem Schicksal dargestellt, die das Leben in seiner Gesamtheit annimmt und sich an den kleinen Freuden erfreut. Sie wird als jemand beschrieben, der sich in einem "klaren Frieden" abgeschlossen hat und das Leben als einen "zugeworfenen Faden" betrachtet, an dem sie sich festhält, ohne sich von den "Wogen" unter ihr beirren zu lassen. Der Mann hingegen wird als unruhig und unzufrieden dargestellt. Er ist ständig auf der Suche nach etwas Besserem und lässt das Glück oft ungenutzt vorüberziehen. Er ist "gleichgültig" gegenüber den Veränderungen im Leben und hört nicht auf, "das Dasein umzuschmieden". Der Mann wird als jemand beschrieben, der sich nicht scheut, "im Meer zu baden" und in die Tiefen des Lebens vorzudringen. Er ist bereit, das "helle Leben" zu verlassen, um in den "Schoß der Grüfte" zu blicken und nach Gott zu suchen. Das Gedicht zeichnet ein Bild von zwei grundverschiedenen Lebensweisen und -einstellungen. Die Frau wird als zufrieden und im Einklang mit ihrem Schicksal dargestellt, während der Mann als unruhig und auf der Suche nach etwas Größerem gezeigt wird. Hebbel scheint zu suggerieren, dass beide Wege ihre Berechtigung haben, aber auch ihre eigenen Herausforderungen und Gefahren bergen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- alliteration
- Ob Gott sich nicht verbirgt im Schoß der Grüfte
- hyperbel
- Allein sie schließt sich ab in klarem Frieden
- metapher
- Ob Gott sich nicht verbirgt im Schoß der Grüfte
- personifikation
- Sie freut sich an des fernsten Sternes Schimmer