Manchmal fühlt sie

Rainer Maria Rilke

1875

Manchmal fühlt sie: Das Leben ist groß, wilder, wie Ströme, die schäumen, wilder, wie Sturm in den Bäumen. Und ]eise läßt sie die Stunden los und schenkt ihre Seele den Träumen.

Dann erwacht sie. Da steht ein Stern still überm leisen Gelände, und ihr Haus hat ganz weiße Wände - Da weiß sie: Das Leben ist fremd und fern - und faltet die alternden Hände.

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Interpretation

Das Gedicht "Manchmal fühlt sie" von Rainer Maria Rilke beschreibt die wechselnden Empfindungen einer Frau im Laufe ihres Lebens. Es beginnt mit einem Gefühl der Lebendigkeit und des Aufbegehrens, das die Protagonistin ergreift. Sie fühlt sich von der Größe und Wildheit des Lebens ergriffen, vergleichbar mit schäumenden Strömen und stürmischen Bäumen. In diesen Momenten lässt sie die Stunden leise los und schenkt ihre Seele den Träumen. Doch dann erwacht sie aus diesen Träumen und stellt fest, dass sich ihre Wahrnehmung des Lebens verändert hat. Ein stiller Stern steht über dem leisen Gelände und ihr Haus hat ganz weiße Wände. Diese Bilder vermitteln eine Atmosphäre der Ruhe und Abgeklärtheit. Die Protagonistin erkennt, dass das Leben fremd und fern geworden ist, und faltet ihre alternden Hände. Dies symbolisiert eine Art Resignation und Akzeptanz des Lebens, wie es ist. Das Gedicht thematisiert den Prozess des Älterwerdens und die damit einhergehenden Veränderungen in der Wahrnehmung des Lebens. Es zeigt den Kontrast zwischen der jugendlichen Aufbruchsstimmung und der späteren Gelassenheit und Distanzierung. Die Protagonistin durchlebt eine Art innere Reise, bei der sie sich zunächst von der Wildheit des Lebens ergriffen fühlt, um dann zu einer ruhigeren und reflektierteren Sichtweise zu gelangen.

Schlüsselwörter

leben wilder manchmal fühlt groß ströme schäumen sturm

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Stilmittel

Bildsprache
und faltet die alternden Hände
Metapher
Das Leben ist fremd und fern
Personifikation
Und ]eise läßt sie die Stunden los
Symbolik
und ihr Haus hat ganz weiße Wände
Vergleich
wilder, wie Sturm in den Bäumen