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Manche Nacht

Von

Wenn die Felder sich verdunkeln,
fühl ich, wird mein Auge heller;
schon versucht ein Stern zu funkeln,
und die Grillen wispern schneller.

Jeder Laut wird bilderreicher,
das Gewohnte sonderbarer,
hinterm Wald der Himmel bleicher,
jeder Wipfel hebt sich klarer.

Und du merkst es nicht im Schreiten,
wie das Licht verhundertfältigt
sich entringt den Dunkelheiten.
Plötzlich stehst du überwältigt.

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Gedicht: Manche Nacht von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Manche Nacht“ von Richard Dehmel beschreibt die besondere Atmosphäre und die veränderte Wahrnehmung, die in der Abenddämmerung oder in der Nacht eintreten. Der Titel deutet bereits auf eine spezifische Erfahrung hin, eine „manche“ Nacht, die sich von anderen Nächten unterscheidet und eine besondere Bedeutung hat.

Die ersten beiden Strophen malen ein Bild der fortschreitenden Dunkelheit und der damit einhergehenden Veränderungen in der Natur und in der Wahrnehmung des lyrischen Ichs. Die „Felder verdunkeln“ sich, während das Auge des lyrischen Ichs heller wird, was auf eine verstärkte Sensibilität und Aufmerksamkeit hindeutet. Geräusche wie das Zirpen der Grillen werden intensiver wahrgenommen. Die Welt erscheint „bilderreicher“ und „sonderbarer“. Dies deutet auf eine gesteigerte Fantasie und eine veränderte, vielleicht auch entrückte Wahrnehmung des lyrischen Ichs hin. Die Naturerscheinungen wie der bleicher werdende Himmel und die sich abhebenden Wipfel verstärken den Eindruck einer Transformation.

Die dritte Strophe leitet den Wendepunkt ein. Sie richtet sich an eine zweite Person („du“) und beschreibt, wie diese die subtilen Veränderungen, die das Licht durchmacht, nicht bemerkt, während es sich „verhundertfältigt“ und den Dunkelheiten entringt. Das „du“ steht scheinbar abseits des intensiven Erlebens, das das lyrische Ich durchlebt.

Die letzte Zeile, „Plötzlich stehst du überwältigt“, ist der Höhepunkt des Gedichts. Sie beschreibt den Moment, in dem die zweite Person – und möglicherweise auch der Leser – von der Schönheit und der Kraft der Nacht überwältigt wird. Das Gedicht suggeriert, dass die Erfahrung der Nacht, die durch die Transformation der Natur und die veränderte Wahrnehmung des lyrischen Ichs erzeugt wird, eine tiefe und möglicherweise auch spirituelle Wirkung hat. Es ist ein Gedicht über die Sensibilität, die Schönheit und die transformative Kraft der Nacht.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.