Manche freilich...

Hugo von Hofmannsthal

1895

Manche freilich müssen drunten sterben wo die schweren Ruder der Schiffe streifen, andere wohnen bei dem Steuer droben, kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.

Manche liegen mit immer schweren Gliedern bei den Wurzeln des verworrenen Lebens, anderen sind die Stühle gerichtet bei den Sibyllen, den Königinnen, und da sitzen sie wie zu Hause, leichten Hauptes und leichter Hände.

Doch ein Schatten fällt von jenen Leben in die anderen Leben hinüber, und die leichten sind an die schweren wie an Luft und Erde gebunden.

Ganz vergessener Völker Müdigkeiten kann ich nicht abtun von meinen Lidern, noch weghalten von der erschrockenen Seele stummes Niederfallen ferner Sterne.

Viele Geschicke weben neben dem meinen, durcheinander spielt sie all das Dasein, und mein Teil ist mehr als dieses Lebens schlanke Flamme oder schmale Leier.

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Interpretation

Das Gedicht "Manche freilich..." von Hugo von Hofmannsthal thematisiert die verschiedenen Lebenswege und Schicksale der Menschen. Es beginnt mit einer Unterscheidung zwischen denen, die "drunten" leiden und sterben, und denen, die "droben" in höheren Sphären verweilen und die Schönheit der Welt genießen können. Diese Unterteilung verdeutlicht die Ungleichheit und Ungerechtigkeit des Lebens, bei der einige Menschen in Not und Elend gefangen sind, während andere in Luxus und Freiheit schwelgen. Im zweiten Teil des Gedichts wird deutlich, dass diese scheinbare Trennung zwischen den Lebenswegen jedoch nicht vollständig ist. Ein "Schatten" fällt von den leichten Leben in die schweren, was bedeutet, dass auch die Privilegierten nicht völlig frei von den Sorgen und Mühen der anderen sind. Die leichten Leben sind an die schweren gebunden, wie an "Luft und Erde", was die untrennbare Verbindung und Abhängigkeit aller Menschen voneinander symbolisiert. Im letzten Teil des Gedichts reflektiert der Sprecher über die Vielzahl der Schicksale und das komplexe Geflecht des Daseins. Er erkennt, dass sein eigenes Leben nur ein Teil dieses großen Ganzen ist und dass er die Lasten und Erfahrungen anderer Völker und Generationen nicht vollständig von sich abschütteln kann. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass das menschliche Dasein mehr ist als nur das individuelle Leben, sondern ein Teil eines größeren, universellen Ganzen, das durch "schlanke Flamme oder schmale Leier" symbolisiert wird.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildlichkeit
Vogelflug und die Länder der Sterne
Gegensatz
Manche liegen mit immer schweren Gliedern bei den Wurzeln des verworrenen Lebens, anderen sind die Stühle gerichtet bei den Sibyllen, den Königinnen,
Hyperbel
Viele Geschicke weben neben dem meinen
Kontrast
die leichten sind an die schweren wie an Luft und Erde gebunden
Metapher
und mein Teil ist mehr als dieses Lebens schlanke Flamme oder schmale Leier
Parallelismus
Manche freilich müssen drunten sterben wo die schweren Ruder der Schiffe streifen, andere wohnen bei dem Steuer droben, kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.
Personifikation
stummes Niederfallen ferner Sterne
Symbolik
schwere Ruder der Schiffe