Man sagt, es sey kein Ort, da Amor nicht zu finden...
1650Man sagt / es sey kein Ort / da Amor nicht zu finden / eß sey kein öder Wald / eß sey kein Teil der Welt / da dieser große Fürst nicht seine Hoffstadt helt; man sagt / eß sey kein Man / den er nicht könne binden: noch hat er meinen Muht nicht können überwinden / weil mir sein schnödes Thun zu keiner zeit gefält; ob er schon noch so weit ihm bawet sein Gezelt / daß in Arabia man ihn auch stets kann finden. Europa ist zwahr sein / er sitzt in Africa / er wohnt in Asia / und kent America / In summ / eß ist kein Haus / das er nicht innen hatt / eß ist kein Menschlich Hertz / das er nicht könte lencken / mich doch / ob er schon nah mir ist / kan er nicht krencken / dan ist er auff dem Dorff / so bin ich in der Stadt. Oder: bin ich dan auff dem Dorff / so ist er in der Stadt.
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Interpretation
Das Gedicht "Man sagt, es sey kein Ort, da Amor nicht zu finden..." von Sibylla Schwarz thematisiert die allgegenwärtige Präsenz der Liebe und ihre Macht über die Menschen. Die Autorin beginnt damit, die weitverbreitete Meinung zu zitieren, dass Amor, der Gott der Liebe, überall zu finden sei und keinen Ort, kein Herz und keinen Menschen auslasse, den er nicht beeinflussen könne. Dies wird durch die Beschreibung verschiedener geografischer Regionen wie Europa, Afrika, Asien und Amerika unterstrichen, die alle als Wohnorte des Liebesgottes dargestellt werden. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich Sibylla Schwarz jedoch von dieser allgemeinen Ansicht ab und behauptet, dass Amor trotz seiner allgegenwärtigen Macht ihr eigenes Herz nicht habe erobern können. Sie betont, dass sie sein "schnödes Thun" zu keiner Zeit ansprechend fand und dass er trotz seiner Bemühungen und seiner Präsenz in ihrer Nähe sie nicht verletzen oder beeinflussen konnte. Diese Aussage verdeutlicht ihre Unabhängigkeit und Stärke gegenüber den Gefühlen der Liebe. Im letzten Teil des Gedichts verwendet Sibylla Schwarz eine Metapher, um den Unterschied zwischen ihr und Amor zu verdeutlichen. Sie sagt, dass Amor auf dem Dorf sei, während sie in der Stadt sei, oder umgekehrt. Diese Metapher symbolisiert die räumliche und emotionale Distanz zwischen der Autorin und dem Liebesgott. Sie betont damit ihre Fähigkeit, sich von Amor und seinen Einflüssen fernzuhalten und ihre eigene Identität zu bewahren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Man sagt / es sey kein Ort / da Amor nicht zu finden / nes sey kein öder Wald / eß sey kein Teil der Welt / da dieser große Fürst nicht seine Hoffstadt helt;
- Kontrast
- dan ist er auff dem Dorff / so bin ich in der Stadt. Oder: bin ich dan auff dem Dorff / so ist er in der Stadt.
- Metapher
- daß in Arabia man ihn auch stets kann finden
- Personifikation
- weil mir sein schnödes Thun zu keiner zeit gefält