Man frage nicht
1933Man frage nicht, was all die Zeit ich machte. Ich bliebe stumm; und sage nicht, warum. Und Stille gibt es, daß die Erde krachte. Kein Wort, das traf; man spricht nur aus dem Schlaf. Und träumt von einer Sonne, welche lachte. Es geht vorbei; nachher war′s einerlei. Das Wort entschlief, als jene Zeit erwachte.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Man frage nicht" von Karl Kraus beschäftigt sich mit der Nutzlosigkeit und der Fragwürdigkeit von Sprache und Kommunikation. Der Sprecher fordert den Leser auf, nicht nach seiner Vergangenheit zu fragen, da er schweigen und den Grund dafür nicht preisgeben würde. Dies deutet auf eine gewisse Verletzlichkeit oder ein Geheimnis hin, das der Sprecher nicht teilen möchte. Die Stille, die der Sprecher erwähnt, wird als so mächtig dargestellt, dass sie die Erde zum Beben bringen könnte. Dies unterstreicht die Idee, dass manchmal Worte mehr schaden als nützen können und dass es manchmal besser ist, zu schweigen. Die Zeile "Kein Wort, das traf; man spricht nur aus dem Schlaf" legt nahe, dass die meisten Worte bedeutungslos sind und dass Menschen oft unbewusst sprechen, ohne wirklich nachzudenken. Das Gedicht endet mit dem Bild einer Sonne, die lacht, was auf eine Art von Hoffnung oder Optimismus hindeuten könnte. Die Zeile "Es geht vorbei; nachher war's einerlei" deutet darauf hin, dass alles vergänglich ist und dass am Ende alles gleichgültig ist. Das letzte Bild des schlafenden Wortes, das erwacht, wenn die Zeit erwacht, könnte bedeuten, dass Worte erst dann ihre wahre Bedeutung erhalten, wenn sie in den Kontext der Zeit und des Lebens gestellt werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Man frage nicht, was all die Zeit ich machte.
- Kontrast
- Es geht vorbei; nachher war's einerlei.
- Metapher
- Und Stille gibt es, daß die Erde krachte.
- Parallelismus
- Ich bliebe stumm; und sage nicht, warum.
- Personifikation
- Das Wort entschlief, als jene Zeit erwachte.
- Symbolik
- Und träumt von einer Sonne, welche lachte.