Man frage nich

Karl Kraus

1933

Man frage nicht, was all die Zeit ich machte. Ich bliebe stumm; und sage nicht, warum. Und Stille gibt es, daß die Erde krachte. Kein Wort, das traf; man spricht nur aus dem Schlaf. Und träumt von einer Sonne, welche lachte. Es geht vorbei; nachher war’s einerlei. Das Wort entschlief, als jene Zeit erwachte.

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Interpretation

Das Gedicht "Man frage nich" von Karl Kraus thematisiert die Unaussprechlichkeit und Unverständlichkeit menschlicher Erfahrungen und Emotionen. Der Sprecher verweigert sich jeglicher Erklärung und Rechtfertigung seiner Handlungen und Gefühle. Er bleibt stumm und sagt nicht, warum. Die Stille, die er wahrt, ist so tief und erschütternd, dass sie die Erde zum Beben bringt. Die Worte, die er ausspricht, sind nur noch aus dem Schlaf heraus, also aus dem Unterbewusstsein, und treffen nicht mehr den Kern der Sache. Er träumt von einer Sonne, die lachte, also von einer vergangenen Zeit des Glücks und der Leichtigkeit. Doch diese Zeit ist vorbei und es ist einerlei, also egal, was danach kam. Das Wort, das die Zeit begleitete, ist entschlafen, als jene Zeit erwachte, also als die Realität einkehrte und die Illusion zerbrach. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Resignation und der Verzweiflung. Der Sprecher scheint in einer tiefen Krise zu stecken, aus der er keinen Ausweg mehr sieht. Er hat die Hoffnung aufgegeben und sich in die Stille zurückgezogen. Er will nicht mehr reden und erklären, weil er weiß, dass es sinnlos ist. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Worte nicht mehr ausreichen, um das auszudrücken, was in ihm vorgeht. Er hat auch die Erfahrung gemacht, dass die Realität grausam und unbarmherzig ist und dass die schönen Träume und Illusionen nur Täuschungen sind. Er hat sich damit abgefunden, dass alles vorbei ist und dass es einerlei ist, was danach kommt. Er hat sich damit abgefunden, dass das Wort, das seine Zeit begleitete, entschlafen ist und dass er in einer neuen Zeit erwacht ist, die ihm fremd und feindlich ist. Das Gedicht ist ein Ausdruck der modernen Weltverlorenheit und Weltverzweiflung. Es zeigt die Folgen der technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die den Menschen von seiner natürlichen Umgebung und von sich selbst entfremdet haben. Es zeigt die Folgen der Kriege und Katastrophen, die den Menschen von seiner Menschlichkeit und von seiner Hoffnung entfremdet haben. Es zeigt die Folgen der Massenmedien und der Propaganda, die den Menschen von seiner Wahrheit und von seiner Vernunft entfremdet haben. Es zeigt die Folgen der Individualisierung und der Entfremdung, die den Menschen von seiner Gemeinschaft und von seiner Liebe entfremdet haben. Es zeigt die Folgen der Sinnkrise und der Werteverwirrung, die den Menschen von seinem Glauben und von seinem Sinn entfremdet haben. Es zeigt die Folgen der Sprachkrise und der Ausdrucksunfähigkeit, die den Menschen von seiner Kommunikation und von seiner Kunst entfremdet haben.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Und träumt von einer Sonne, welche lachte.
Anapher
Man frage nicht, was all die Zeit ich machte. Ich bliebe stumm; und sage nicht, warum.
Metapher
Und Stille gibt es, daß die Erde krachte.
Parallelismus
Kein Wort, das traf; man spricht nur aus dem Schlaf.
Personifikation
Das Wort entschlief, als jene Zeit erwachte.