Mairosen

Else Lasker-Schüler

1869

Er hat seinen heiligen Schwestern versprochen, mich nicht zu verführen, zwischen Mairosen hätte er fast

sein Wort gebrochen, aber er machte drei Kreuze und ich glaubte heiss zu erfrieren.

Nun lieg’ ich im düst’ren Nadelwald, und der Herbst saust kalte Nordostlieder über meine Lenzglieder.

Aber wenn es wieder warm wird, wünsch’ ich den heiligen Schwestern beid'

Hochzeit. Und wir - spielen dann unter den Mairosen.

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Interpretation

Das Gedicht "Mairosen" von Else Lasker-Schüler erzählt von einer inneren Zerrissenheit und dem Kampf zwischen Verlangen und Selbstbeherrschung. Der Sprecher beschreibt, wie ein Mann seinen heiligen Schwestern versprochen hat, sie nicht zu verführen, aber zwischen den Mairosen fast sein Wort gebrochen hätte. Dies deutet auf eine starke Anziehungskraft hin, die beinahe zur Untreue geführt hätte. Die anschließende Kälte und Einsamkeit, die der Sprecher empfindet, symbolisiert die Konsequenzen der Selbstbeherrschung. Der "düstere Nadelwald" und die "kalten Nordostlieder" stehen für die emotionale Leere und die schmerzhafte Erinnerung an das verpasste Glück. Die "Lenzglieder" betonen den Kontrast zwischen der vergangenen Wärme und der gegenwärtigen Kälte. Doch das Gedicht endet mit einem Hoffnungsschimmer. Der Sprecher wünscht den heiligen Schwestern eine Hochzeit, wenn es wieder warm wird, und plant, dann unter den Mairosen zu spielen. Dies könnte als Versöhnung mit der Vergangenheit und als Ausblick auf eine gemeinsame Zukunft interpretiert werden, in der die Versuchung überwunden und in Harmonie verwandelt wurde.

Schlüsselwörter

heiligen schwestern mairosen versprochen verführen zwischen hätte fast

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Stilmittel

Bildsprache
düst'ren Nadelwald
Kontrast
heiss zu erfrieren
Metapher
Lenzglieder
Personifikation
der Herbst saust kalte Nordostlieder
Symbolik
Mairosen