Mailied

Johann Wolfgang von Goethe

1775

Wie herrlich leuchtet Mir die Natur! Wie glänzt die Sonne! Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten Aus jedem Zweig. Und tausend Stimmen Aus dem Gesträuch.

Und Freud′und Wonne Aus jeder Brust. O Erd`! o Sonne! O Glück! o Lust!

O Lieb`! o Liebe! So golden-schön, Wie Morgenwolken Auf jenen Höhn!

Du segnest herrlich Das Frische Feld, Im Blütendampfe Die volle Welt.

O Mädchen, Mädchen, wie lieb`ich dich! Wie blickt dein Auge! Wie liebst du mich!

So liebt die Lerche Gesang und Luft, Und Morgenblumen Den Himmelsduft.

Wie ich dich liebe Mit warmen Blut, Die du mir jugend Und Freud`und Mut

Zu neuen Liedern Und Tänzen gibst. Sei ewig glücklich, wie du mich liebst!

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Illustration zu Mailied

Interpretation

Das Gedicht "Mailied" von Johann Wolfgang von Goethe ist ein Lobgesang auf die Natur und die Liebe. Der Sprecher preist die Schönheit und Fülle der Natur im Frühling, die sich in strahlender Sonne, blühenden Zweigen und vielfältigen Stimmen aus dem Gesträuch manifestiert. Diese Naturschönheit erfüllt die Menschen mit Freude und Wonne, was in den Ausrufen "O Erd`! o Sonne! O Glück! o Lust!" zum Ausdruck kommt. Das Gedicht wendet sich dann der Liebe zu, die als "golden-schön" beschrieben wird und mit den Morgenwolken auf den Höhen verglichen wird. Der Sprecher segnet das frische Feld und die volle Welt im Blütendampf. Er richtet seine leidenschaftliche Zuneigung an ein Mädchen, bewundert ihren Blick und ihre Liebe zu ihm. Die Liebe wird mit der Lerche verglichen, die Gesang und Luft liebt, und mit den Morgenblumen, die den Himmelsduft lieben. Im letzten Teil des Gedichts gesteht der Sprecher dem Mädchen seine tiefe Liebe mit "warmem Blut". Er dankt ihr dafür, dass sie ihm Jugend, Freude und Mut zu neuen Liedern und Tänzen gibt. Das Gedicht endet mit dem Wunsch, dass das Mädchen ewig glücklich sein möge, so wie sie ihn liebt. Das "Mailied" ist somit eine Ode an die Natur und die Liebe, die beide als Quellen der Inspiration und des Glücks dargestellt werden.

Schlüsselwörter

herrlich sonne freud lieb liebe mädchen liebst leuchtet

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Stilmittel

Alliteration
So liebt die Lerche
Anapher
Wie herrlich leuchtet, Wie glänzt die Sonne, Wie lacht die Flur
Apostrophe
O Erd`, o Sonne, O Glück, o Lust, O Lieb`, o Liebe
Enjambement
Es dringen Blüten / Aus jedem Zweig
Hyperbel
O Erd`, o Sonne, O Glück, o Lust
Metapher
Wie Morgenwolken Auf jenen Höhn
Metonymie
Die du mir jugend Und Freud`und Mut
Parallelismus
O Erd`, o Sonne, O Glück, o Lust
Personifikation
Wie lacht die Flur
Vergleich
So liebt die Lerche Gesang und Luft