Mailied

Elisabeth Kulmann

1851

Pflücket Rosen, um das Haar Schön damit zu kränzen, Reihe dich, o junge Schaar, Dann zu frohen Tänzen!

Nehmt die Leier von der Wand, Kränzet sie und gebet Sie dem Sänger in die Hand, Der sie uns belebet.

Freuet euch, so lang der Mai Und der Sommer währet; Nur zu bald sind sie vorbei, Und der Winter kehret.

Lange müßt ihr dann auf′s neu Bei der Lampe sitzen, Und bei ew′gem Einerlei Saurer Arbeit schwitzen.

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Illustration zu Mailied

Interpretation

Das Gedicht "Mailied" von Elisabeth Kulmann thematisiert die vergängliche Natur der Jugend und der schönen Jahreszeit. Die Autorin ruft die junge Generation dazu auf, die Rosen zu pflücken und sich damit zu schmücken, um in fröhlichen Tänzen zu schwelgen. Sie betont die Wichtigkeit, den Moment zu genießen, solange der Mai und der Sommer dauern, denn bald werden sie vorbei sein und der Winter wird zurückkehren. Die zweite Strophe des Gedichts fordert dazu auf, die Leier von der Wand zu nehmen, sie zu schmücken und dem Sänger zu übergeben, der sie zum Leben erweckt. Dies symbolisiert die Bedeutung von Musik und Kunst, um die Freude und den Zauber des Augenblicks zu verstärken. Die Leier wird als Metapher für die kreative Ausdrucksform verwendet, die die Stimmung der Jahreszeit und der Jugend einfängt. In der dritten Strophe warnt Kulmann davor, dass die schöne Zeit schnell vorübergeht. Sie ermahnt die jungen Menschen, sich zu freuen, solange der Mai und der Sommer andauern, da sie nur zu bald vorbei sein werden. Der bevorstehende Winter wird als Metapher für die Härte und Monotonie des Erwachsenenlebens verwendet, in dem man lange Stunden bei der Lampe sitzen und sich mit eintöniger, mühsamer Arbeit abmühen muss. Die letzte Strophe des Gedichts verdeutlicht den Kontrast zwischen der sorglosen Jugend und dem anstrengenden Erwachsenenleben. Die Autorin malt ein düsteres Bild von der Zukunft, in der die jungen Menschen gezwungen sein werden, bei der Lampe zu sitzen und sich mit eintöniger Arbeit abzumühen. Dies unterstreicht die Dringlichkeit, die schöne Zeit der Jugend zu genießen, solange sie dauert, bevor die Realität des Lebens Einzug hält.

Schlüsselwörter

pflücket rosen haar schön damit kränzen reihe junge

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Stilmittel

Apostroph
Reihe dich, o junge Schaar
Hyperbel
Bei ew′gem Einerlei Saurer Arbeit schwitzen
Imperativ
Pflücket Rosen, um das Haar Schön damit zu kränzen, Reihe dich, o junge Schaar, Dann zu frohen Tänzen!
Kontrast
Nur zu bald sind sie vorbei, Und der Winter kehret
Personifikation
Der sie uns belebet