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Maifeierlied

Von

Es war wohl einst am ersten Mai,
viel Kinder tanzten in Einer Reih,
arme mit reichen,
und hatten die gleichen
vielen Stunden zur Freude frei.

Es ist auch heute erster Mai,
viel Männer schreiten in Einer Reih,
dumpf schallt ihr Marschgestampf,
heut hat man ohne Kampf
keine Stunde zur Freude frei.

Doch kommt wohl einst ein erster Mai,
da tritt alles Volk in Eine Reih,
mit Einem Schlage
hat′s alle Tage
ein paar Stunden zur Freude frei.

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Gedicht: Maifeierlied von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Maifeierlied“ von Richard Dehmel ist eine sozialkritische Betrachtung der gesellschaftlichen Entwicklung und ein Appell für eine gerechtere Zukunft. Das Gedicht zeichnet sich durch eine klare Struktur aus, die durch die wiederkehrende Strophenform und das Reimschema (AABB) unterstützt wird. Es wird in drei Strophen die Veränderung des Mai-Feiertags über die Zeit hinweg geschildert.

Die erste Strophe beschreibt eine idyllische Szene, in der Kinder, unabhängig von ihrem Reichtum oder ihrer Armut, gemeinsam tanzen und freudige Stunden verbringen. Diese Darstellung der Kindheit und der Unschuld dient als Kontrast zur nachfolgenden Entwicklung. Die zweite Strophe spiegelt die Gegenwart wider. Anstelle der Kinder treten Männer in einer marschierenden Reihe, was die zunehmende Militarisierung und den Verlust von Freude und Freiheit betont. Der „dumpfe Marschgestampf“ und die Aussage, dass man „ohne Kampf keine Stunde zur Freude frei“ hat, unterstreichen die Zerrissenheit und den gesellschaftlichen Druck, die die Menschen erfahren.

Die dritte Strophe ist eine Vision der Zukunft. Sie beinhaltet die Hoffnung auf einen „ersten Mai“, an dem das gesamte Volk vereint in einer Reihe steht und durch einen „Schlag“ die Freiheit und Freude zurückgewinnt. Die Wiederherstellung des gemeinsamen Feierns symbolisiert eine erhoffte gerechte Gesellschaft, in der alle Menschen die gleichen Chancen auf Glück und Freude haben. Das Gedicht ist somit eine politische Aussage, die die Ungleichheit kritisiert und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für alle Menschen zum Ausdruck bringt.

Die Sprache des Gedichts ist einfach und direkt, was seine Botschaft für ein breites Publikum zugänglich macht. Der Wechsel von „Kinder“ zu „Männer“ und schließlich zu „Volk“ verdeutlicht die Entwicklung der Gesellschaft und die Hoffnung auf eine umfassende Veränderung. Die Wiederholung der Zeilen und des Reimschemas verstärkt die Wirkung und den einprägsamen Charakter des Gedichts. Dehmels „Maifeierlied“ ist ein eindrucksvolles Beispiel für politisch engagierte Lyrik.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.