Märztag
1883Wolkenschatten fliehen über Felder, blau umdunstet stehen ferne Wälder. Kraniche, die hoch die Luft durchpflügen, kommen schreiend an in Wanderzügen. Lerchen steigen schon in lauten Schwärmen, überall ein erstes Frühlingslärmen. Lustig flattern, Mädchen, deine Bänder; kurzes Glück träumt durch die weiten Länder. Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen; wollt′ es halten, musst′ es schwimmen lassen.
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Interpretation
Das Gedicht "Märztag" von Detlev von Liliencron beschreibt einen frühlingshaften Märzmoment, der von Bewegung und Vergänglichkeit geprägt ist. Die flüchtigen Wolkenschatten, die ziehenden Kraniche und die aufsteigenden Lerchen symbolisieren den Übergang vom Winter zum Frühling und die Vergänglichkeit des Moments. Die Natur ist in Bewegung, und der Dichter fängt diese Dynamik ein, die sowohl Hoffnung als auch Melancholie vermittelt. Im zweiten Teil des Gedichts wird die menschliche Dimension eingeführt, als der Dichter die Mädchen auffordert, lustig ihre Bänder flattern zu lassen. Dies symbolisiert die Freude und das kurze Glück, das der Frühling mit sich bringt. Doch dieses Glück ist vergänglich, wie der letzte Vers andeutet, der besagt, dass man das kurze Glück nicht festhalten kann, sondern es ziehen lassen muss. Das Gedicht vermittelt somit eine Botschaft der Akzeptanz und des Genusses des Augenblicks, ohne an ihm festzuhalten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- wollt′ es halten, musst′ es schwimmen lassen
- Metapher
- Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen
- Parallelismus
- wollt′ es halten, musst′ es schwimmen lassen
- Personifikation
- wollt′ es halten, musst′ es schwimmen lassen