März-Nachmittag

Ernst Wilhelm Lotz

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Bleiweiß die Fläche, Wolken-überflaggt, darein zwei Segel schwarze Furchen graben. Zwei Uferbäume ragen hochgezackt, die frühes Traumgrün auf den Zweigen haben.

Zwei Hunde keuchen übers Ufergras und wollen eine heiße Stunde jagen. Zwei Schüler kommen, schlank und bücherblaß, die scheue Liebe wie zwei Leuchter tragen.

Ein junger Dichter wacht auf einer Bank und spricht, die Hände um sein Knie gefaltet: “Wie sind die Dinge heute sehnsuchtskrank!”

Und als er aufblickt, hat sich neu gestaltet die Welt und ist erschütternd tränenblank. “Was” ruft er “hat mein Herz denn so zerspaltet!”

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Illustration zu März-Nachmittag

Interpretation

Das Gedicht "März-Nachmittag" von Ernst Wilhelm Lotz beschreibt eine idyllische Frühlingslandschaft, die jedoch von einer tiefen Sehnsucht und Melancholie durchdrungen ist. Die erste Strophe malt ein Bild einer ruhigen Flusslandschaft, in der sich die Zeichen des Frühlings zu regen beginnen. Die "bleiweiße Fläche" und die "Wolken-überflaggte" Szenerie vermitteln eine fast schon sterile Atmosphäre, die durch die "schwarzen Furchen" der Segel und das "frühe Traumgrün" der Uferbäume belebt wird. Diese Elemente symbolisieren den Übergang vom Winter zum Frühling und die damit einhergehende Erneuerung der Natur. In der zweiten Strophe wird die Dynamik der Landschaft durch die Anwesenheit von Tieren und Menschen verstärkt. Die "zwei Hunde", die "übers Ufergras" keuchen, und die "zwei Schüler", die "scheue Liebe" tragen, bringen Leben und Bewegung in die Szene. Die Hunde stehen für die ungezügelte Energie des Frühlings, während die Schüler die zarte und unsichere Natur der jungen Liebe verkörpern. Der Dichter, der auf einer Bank erwacht, fungiert als Beobachter und Interpret dieser Szenerie. Seine ausgestreckten Hände und das gefaltete Knie deuten auf eine nachdenkliche Haltung hin, die bereit ist, die Welt um sich herum aufzunehmen und zu reflektieren. Die dritte Strophe offenbart die innere Zerrissenheit des Dichters. Sein Ausruf "Wie sind die Dinge heute sehnsuchtskrank!" zeigt, dass er die Schönheit und Erneuerung des Frühlings nicht unberührt lässt. Vielmehr wird er von einer tiefen Sehnsucht ergriffen, die die Welt um ihn herum in ein "erschütternd tränenblankes" Licht taucht. Die Frage "Was hat mein Herz denn so zerspaltet?" unterstreicht die Intensität seiner emotionalen Reaktion und deutet auf eine persönliche Krise oder einen inneren Konflikt hin. Das Gedicht endet somit mit einer offenen Frage, die den Leser dazu einlädt, über die Natur der Sehnsucht und die Komplexität menschlicher Emotionen nachzudenken.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu März-Nachmittag

Stilmittel

Bildsprache
Zwei Hunde keuchen übers Ufergras
Kontrast
schlank und bücherblaß
Metapher
zerspaltet
Personifikation
die frühes Traumgrün auf den Zweigen haben
Symbolik
scheue Liebe wie zwei Leuchter tragen