Mädchen

Alfred Lichtenstein

1889

Sie halten den Abend der Stuben nicht aus. Sie schleichen in tiefe Sternstraßen hinaus. Wie weich ist die Welt im Laternenwind! Wie seltsam summend das Leben zerrinnt . . .

Sie laufen an Gärten und Häusern vorbei, Als ob ganz fern ein Leuchten sei, Und sehen jeden lüsternen Mann Wie einen süßen Herrn Heiland an.

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Illustration zu Mädchen

Interpretation

Das Gedicht "Mädchen" von Alfred Lichtenstein handelt von jungen Frauen, die der Enge ihrer Wohnräume entfliehen und in die Nacht hinausziehen. Die Atmosphäre ist geprägt von Weichheit und Geheimnis, während die Welt im Wind der Laternen zu schweben scheint und das Leben in seltsamem Summen vergeht. Die Mädchen laufen an Gärten und Häusern vorbei, als ob sie von einem fernen Leuchten angezogen würden. Dabei sehen sie jeden lüsternen Mann wie einen süßen Herrn Heiland an. Diese ambivalente Haltung spiegelt die komplexen Gefühle der Mädchen wider - einerseits fühlen sie sich von der männlichen Aufmerksamkeit angezogen, andererseits scheinen sie auch eine gewisse Verletzlichkeit und Abhängigkeit zu empfinden. Das Gedicht zeichnet ein Bild von jungen Frauen, die auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer sind, aber gleichzeitig auch mit den gesellschaftlichen Erwartungen und der männlichen Dominanz konfrontiert werden. Die Sprache ist poetisch und voller sinnlicher Bilder, die die Stimmung der Nacht und die Gefühle der Mädchen einfangen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Mädchen

Stilmittel

Alliteration
Wie seltsam summend das Leben zerrinnt
Bildlichkeit
Sie schleichen in tiefe Sternstraßen hinaus.
Hyperbel
Als ob ganz fern ein Leuchten sei
Metapher
Sie halten den Abend der Stuben nicht aus.
Personifikation
Wie weich ist die Welt im Laternenwind!
Vergleich
Und sehen jeden lüsternen Mann Wie einen süßen Herrn Heiland an.