Madrigal aus dem frantzösischen übersetzet
1727Du bist ein plumper kerl/ recht närrisch und verwegen/ Die klugheit mangelt dir/ die sinnen sind verkehrt. Du weist sonst anders nichts als klagen zu erregen/ Und bist der prelle mehr als meiner augen werth. Diß waren ohngefehr unlängsten meine namen/ Die/ Phillis/ mit verdruß aus deinem munde kamen. Die gantze that/ warum der eyffer dich belieff/ War/ daß dir meine hand nach deinen brüsten grieff. Ach dieses ist zu viel für eine handvoll sünde. Nun seh ich/ daß ich mich nicht so wie du befinde/ Du zürnst/ daß ich die hand nach deiner brust geführt/ Ich schweige/ da du doch mein hertze selbst gerührt.
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Interpretation
Das Gedicht "Madrigal aus dem frantzösischen übersetzet" von Benjamin Neukirch ist ein lyrischer Dialog, der die Spannung zwischen zwei Liebenden thematisiert. Der Sprecher wird von seiner Geliebten, vermutlich namens Phillis, scharf kritisiert und als "plumpen Kerl" bezeichnet, der an Klugheit und Vernunft mangelt. Sie wirft ihm vor, nur Klagen hervorzurufen und nicht ihrer Augen wert zu sein. Diese Worte, die sie ihm "ungefehr unlängsten" an den Kopf geworfen hat, verdeutlichen die emotionale Distanz und den Konflikt zwischen den beiden. Der eigentliche Auslöser für die Kritik wird jedoch deutlich: Der Sprecher hat nach ihren Brüsten gegriffen, eine Handlung, die sie als übergriffig und unangemessen empfindet. Er selbst relativiert diesen "Handvoll Sünde" und betont, dass es "zu viel" für sie sei. Der Sprecher erkennt, dass er sich anders verhält als sie, denn während sie zürnt, dass er ihre Brust berührt hat, schweigt er, obwohl sie sein Herz berührt hat. Diese Umkehrung der Perspektive zeigt, dass die emotionale Verletzung auf beiden Seiten existiert, jedoch unterschiedlich verarbeitet wird. Das Gedicht endet mit einer subtilen Kritik an der Doppelmoral der Geliebten. Während sie über seine körperliche Berührung zürnt, ignoriert sie die tiefere emotionale Berührung, die er durch sein Herz erfahren hat. Der Sprecher wirkt resigniert und verständnisvoll, ohne selbst in Wut zu verfallen. Das Gedicht vermittelt somit ein Bild von unausgesprochener Liebe, die von Missverständnissen und unerfüllten Erwartungen geprägt ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- Die/ Phillis/ mit verdruß aus deinem munde kamen
- Hyperbel
- Und bist der prelle mehr als meiner augen werth
- Ironie
- Die klugheit mangelt dir/ die sinnen sind verkehrt
- Kontrast
- Du zürnst/ daß ich die hand nach deiner brust geführt/ Ich schweige/ da du doch mein hertze selbst gerührt
- Metapher
- Du bist ein plumper kerl/ recht närrisch und verwegen