Lustige Musikanten

Joseph von Eichendorff

1788

Der Wald, der Wald! daß Gott ihn grün erhalt, Gibt gut Quartier und nimmt doch nichts dafür.

Zum grünen Wald wir Herberg halten, Denn Hoffart ist nicht unser Ziel, Im Wirtshaus, wo wir nicht bezahlten, Es war der Ehre gar zu viel. Der Wirt, er wollt uns gar nicht lassen, Sie ließen Kann und Kartenspiel, Die ganze Stadt war in den Gassen, Und von den Bänken mit Gebraus Stürzt′ die Schule heraus, Wuchs der Haufe von Haus zu Haus, Schwenkt′ die Mützen und jubelt′ und wogt′, Der Hatschier, die Stadtwacht, der Bettelvogt, Wie wenn ein Prinz zieht auf die Freit, Gab alles, alles uns fürstlich Geleit, Wir aber schlugen den Markt hinab Uns durch die Leut mit dem Wanderstab, Und hoch mit dem Tamburin, daß es schallt′, -

Zum Wald, zum Wald, zum schönen, grünen Wald!

Und da nun alle schlafen gingen, Der Wald steckt′ seine Irrlicht′ an, Die Frösche tapfer Ständchen bringen, Die Fledermaus schwirrt leis voran, Und in dem Fluß auf feuchtem Steine Gähnt laut der alte Wassermann, Strählt sich den Bart im Mondenscheine, Und fragt ein Irrlicht, wer wir sind? Das aber duckt sich geschwind; Denn über ihn weg im Wind Durch die Wipfel der wilde Jäger geht, Und auf dem alten Turm sich dreht Und kräht der Wetterhahn uns nach: Ob wir nicht einkehrn unter sein Dach? O Gockel, verfallen ist ja dein Haus, Es sieht die Eule zum Fenster heraus, Und aus allen Toren rauschet der Wald.

Der Wald, der Wald, der schöne, grüne Wald!

Und wenn wir müd einst, sehn wir blinken Eine goldne Stadt still überm Land, Am Tor Sankt Peter schon tut winken: »Nur hier herein, Herr Musikant!« Die Engel von den Zinnen fragen, Und wie sie uns erst recht erkannt, Sie gleich die silbernen Pauken schlagen, Sankt Peter selbst die Becken schwenkt, Und voll Geigen hängt Der Himmel, Cäcilia an zu streichen fängt, Dazwischen Hoch vivat! daß es prasselt und pufft, Werfen die andern vom Wall in die Luft Sternschnuppen, Kometen, Gar prächtge Raketen, Versengen Sankt Peter den Bart, daß er lacht, Und wir ziehen heim, schöner Wald, gute Nacht!

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Illustration zu Lustige Musikanten

Interpretation

Das Gedicht "Lustige Musikanten" von Joseph von Eichendorff erzählt von einer Gruppe von Musikanten, die durch die Welt ziehen und dabei verschiedene Abenteuer erleben. Die Musikanten ziehen in den grünen Wald, der ihnen als Herberge dient und ihnen Schutz bietet, ohne etwas dafür zu verlangen. Sie durchqueren Städte und Dörfer, wo sie von den Menschen bejubelt und bewundert werden. Die Musikanten ziehen weiter, begleitet von der Natur und den Geistern des Waldes, bis sie schließlich in einer goldenen Stadt ankommen, wo sie von den Engeln empfangen und gefeiert werden. Das Gedicht endet damit, dass die Musikanten müde nach Hause zurückkehren und sich vom schönen, grünen Wald verabschieden. Das Gedicht zeichnet ein idyllisches Bild von der Natur und der Gemeinschaft der Musikanten. Der Wald wird als ein Ort der Zuflucht und des Schutzes dargestellt, der den Musikanten ein Zuhause bietet. Die Musikanten selbst werden als fröhliche und unbeschwerte Gestalten dargestellt, die durch die Welt ziehen und dabei die Menschen erfreuen. Das Gedicht vermittelt eine positive und optimistische Stimmung, die von der Schönheit der Natur und der Freude am Musizieren geprägt ist. Das Gedicht enthält auch einige fantastische Elemente, wie die Irrlichter, die Frösche, die Fledermäuse und der Wassermann. Diese Elemente tragen zur mystischen und märchenhaften Atmosphäre des Gedichts bei und verstärken das Gefühl von Abenteuer und Entdeckung. Das Gedicht endet mit einem Höhepunkt, als die Musikanten in der goldenen Stadt von den Engeln empfangen und gefeiert werden. Dieses Ende symbolisiert die Belohnung für die Musikanten und ihre Reise und vermittelt ein Gefühl von Erfüllung und Zufriedenheit.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Die Frösche tapfer Ständchen bringen
Anapher
Der Wald, der Wald, der schöne, grüne Wald!
Apostrophe
O Gockel, verfallen ist ja dein Haus
Hyperbel
Und voll Geigen hängt Der Himmel
Metapher
Und von den Bänken mit Gebraus Stürzt die Schule heraus
Onomatopoesie
Und voll Geigen hängt Der Himmel, Cäcilia an zu streichen fängt, Dazwischen Hoch vivat! daß es prasselt und pufft
Personifikation
Der Wald steckt seine Irrlicht an
Symbolik
Zum Wald, zum Wald, zum schönen, grünen Wald!
Vergleich
Wie wenn ein Prinz zieht auf die Freit