Lust und Qual
unknownKnabe saß ich, Fischerknabe, Auf dem schwarzen Fels am Meer, Und, bereitend falsche Gabe, Sang ich, lauschend ringsumher. Angel schwebte lockend nieder; Gleich ein Fischlein streift und schnappt, Schadenfrohe Schelmenlieder, Und das Fischlein war ertappt.
Ach! am Ufer, durch die Fluren, Ins Geklüfte tief zum Hain, Folgt ich einer Sohle Spuren, Und die Hirtin war allein. Blicke sinken, Worte stocken! Wie ein Taschenmesser schnappt, Faßte sie mich in die Locken, Und das Bübchen war ertappt.
Weiß doch Gott, mit welchem Hirten Sie auf′s neue sich ergeht! Muß ich in das Meer mich gürten, Wie es sauset, wie es weht. Wenn mich oft im Netze jammert Das Gewimmel groß und klein; Immer möcht ich noch umklammert Noch von ihren Armen sein!
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Interpretation
Das Gedicht "Lust und Qual" von Johann Wolfgang von Goethe erzählt von den Erfahrungen eines jungen Fischers, der sowohl im Fischen als auch in der Liebe seine Fähigkeiten entdeckt. In der ersten Strophe sitzt der Knabe als Fischer auf einem Felsen am Meer und lockt die Fische mit falschen Gaben und schelmischen Liedern an. Der Fisch wird von der Angel gefangen und "ertappt", was die erste Ebene der Erfahrung des Knaben darstellt. In der zweiten Strophe wechselt die Szene ins Innere der Landschaft, wo der Knabe einer Schäferin folgt und sie allein findet. Die Blicke und Worte stocken, und die Schäferin fasst den Knaben in die Locken, was als eine Art Fang oder Ergriffenwerden interpretiert werden kann. Auch hier wird der Knabe "ertappt", was die zweite Ebene seiner Erfahrung symbolisiert. Die dritte Strophe reflektiert über die Gefühle des Knaben, der nun zwischen Lust und Qual schwankt. Er weiß nicht, mit welchem Hirten die Schäferin sich nun trifft, und fühlt sich wie im Meer gefangen, das ihn umschließt und bewegt. Trotzdem möchte er immer wieder von ihren Armen umklammert sein, was seine tiefe Sehnsucht und Verwirrung ausdrückt. Das Gedicht zeigt somit die Entwicklung des Knaben von einem einfachen Fischer zu einem verliebten, gefangenen Herzen, das zwischen Freude und Schmerz hin- und hergerissen ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Faßte sie mich in die Locken
- Anspielung
- Weiß doch Gott, mit welchem Hirten
- Hyperbel
- Immer möcht ich noch umklammert
- Kontrast
- Lust und Qual
- Metapher
- Angel schwebte lockend nieder
- Parallelismus
- Wie ein Taschenmesser schnappt
- Personifikation
- Schelmenlieder
- Symbolik
- Schwarzer Fels am Meer
- Vergleich
- Gleich ein Fischlein streift und schnappt
- Wiederholung
- Und das Fischlein war ertappt