Lust der Sturmnacht
1786Wenn durch Berg und Tale draußen Regen schauert, Stürme brausen, Schild und Fenster hell erklirren, Und in Nacht die Wandrer irren, Ruht es sich so süß hier innen, Aufgelöst in sel′ges Minnen; All der goldne Himmelsschimmer Flieht herein ins stille Zimmer: Reiches Leben, hab Erbarmen! Halt mich fest in linden Armen! Lenzesblumen aufwärts dringen, Wölklein ziehn und Vöglein singen. Ende nie, du Sturmnacht, wilde! Klirrt, ihr Fenster, schwankt, ihr Schilde, Bäumt euch, Wälder, braus, o Welle, Mich umfängt des Himmels Helle!
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Interpretation
Das Gedicht "Lust der Sturmnacht" von Justinus Kerner beschreibt die kontrastreiche Atmosphäre einer stürmischen Nacht, die von außen bedrohlich und unruhig wirkt, während sie von innen ein Gefühl von Geborgenheit und romantischer Zweisamkeit vermittelt. Die äußere Natur wird als wild und stürmisch dargestellt, mit Regen, der schauert, und Stürmen, die brausen. Doch innerhalb der geschützten Räume herrscht eine süße Ruhe, in der sich die Liebenden in seligem Minnen auflösen. Die goldene Himmelsfinsternis, die sich ins stille Zimmer verirrt, symbolisiert die innere Wärme und das Licht der Liebe, das selbst die dunkelste Nacht erhellt. Der Sprecher bittet das reiche Leben um Erbarmen und fleht darum, in sanften Armen gehalten zu werden. Die Frühlingsblumen, die nach oben dringen, die ziehenden Wolken und die singenden Vögel stehen für die Hoffnung und das Leben, das auch in stürmischen Zeiten weiterbesteht. Die Bitte, dass die Sturmnacht niemals enden möge, zeigt die tiefe Sehnsucht nach diesem intensiven Moment der Zweisamkeit und des Schutzes vor der Außenwelt. Die Aufforderung an die Fenster, zu klirren, an die Schilde, zu schwanken, und an die Wälder und Wellen, sich zu erheben und zu brausen, unterstreicht die Intensität der äußeren Naturgewalten. Doch selbst inmitten dieses Sturms fühlt sich der Sprecher von der Himmelshelligkeit umfangen, was die überwältigende Kraft der Liebe und des inneren Friedens symbolisiert, die selbst die wildesten Stürme überdauern können.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wenn durch Berg und Tale draußen
- Anapher
- Klirrt, ihr Fenster, schwankt, ihr Schilde
- Hyperbel
- Ende nie, du Sturmnacht, wilde!
- Metapher
- All der goldne Himmelsschimmer Flieht herein ins stille Zimmer
- Personifikation
- Regen schauert, Stürme brausen
- Symbolik
- Lenzesblumen aufwärts dringen, Wölklein ziehn und Vöglein singen