Lumpentum
Die reichen Leute, die gewinnt
man nur durch platte Schmeichelein –
das Geld ist platt, mein liebes Kind,
und will auch platt geschmeichelt sein.
Das Weihrauchfaß, das schwinge keck,
vor jedem göttlich goldenen Kalb;
bet an im Staub, bet an im Dreck,
vor allem aber lob nicht halb.
Das Brot ist teuer dieses Jahr,
jedoch die schönsten Wörter hat
man noch umsonst – besinge gar
Mäcenas′ Hund, und friß dich satt!
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Lumpentum“ von Heinrich Heine ist eine bissige Satire auf die Mechanismen des Erfolgs in einer materialistischen Gesellschaft. Es entlarvt die Heuchelei und den Opportunismus, die notwendig sind, um in den Kreisen der Reichen und Mächtigen zu reüssieren. Das Gedicht präsentiert eine ironische Anleitung, wie man sich durch Schmeichelei, Demut und übertriebenes Lob einen Vorteil verschafft, und deutet damit auf eine moralische Verkommenheit hin, die der Autor ablehnt.
Der erste Vers setzt sofort den Ton an: „Die reichen Leute, die gewinnt / man nur durch platte Schmeichelein -“. Hier wird klargestellt, dass der Zugang zu Reichtum und Einfluss durch oberflächliche Schmeicheleien erfolgt. Das „Geld ist platt, mein liebes Kind, / und will auch platt geschmeichelt sein“ verstärkt diese Aussage, indem es eine Parallelität zwischen dem Geld selbst und der Art und Weise, wie es erlangt werden muss, herstellt. Es ist eine zynische Beobachtung, die die Leere derjenigen aufdeckt, die Reichtum anstreben, und die Wertlosigkeit der Mittel, mit denen sie ihn erreichen.
Der zweite Teil des Gedichts geht noch weiter in der Verurteilung der moralischen Verwahrlosung. Das „Weihrauchfaß, das schwinge keck, / vor jedem göttlich goldenen Kalb“ ist eine Metapher für blinde Anbetung und Unterwürfigkeit. Die Aufforderung, im „Staub“ und „Dreck“ zu beten, unterstreicht die totale Selbstaufgabe, die von denjenigen verlangt wird, die Erfolg anstreben. Der letzte Vers dieses Abschnitts, „vor allem aber lob nicht halb“, betont die Bedeutung der übertriebenen Lobpreisung und verdeutlicht die Heuchelei, die in dieser Welt herrscht.
Der letzte Abschnitt verstärkt die zynische Botschaft. „Das Brot ist teuer dieses Jahr, / jedoch die schönsten Wörter hat / man noch umsonst – besinge gar / Mäcenas′ Hund, und friß dich satt!“. Hier wird die Unentgeltlichkeit der Sprache gegenüber dem Wert von materiellem Wohlstand gestellt. Das Besingen des „Mäcenas′ Hund“ ist eine weitere übertriebene Geste der Unterwürfigkeit, die symbolisch für das Dienen an den Reichen steht. Die abschließende Zeile, „und friß dich satt!“, ist der Höhepunkt der Ironie und verweist auf die Belohnung für die heuchlerische Verehrung, die in der Gesellschaft erforderlich ist, in der der Dichter das Versagen des Individuums in der Kapitalgesellschaft sieht.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.