Lütt Jan
1862Jan Boje wünscht sich lange schon ein Schiff - ach Gott, wie lange schon! Ein Schiff so groß - ein Schiff - hurra: von hier bis nach Amerika.
Die höchsten Tannen sind zu klein, die Masten müßten Türme sein, die stießen - hei, was ist dabei? - klingling das Himmelsdach entzwei.
Die Wolken wären Segel gut, die knallen wild im Wind vor Wut; Jan Boje hängt am Klüverbaum und strampelt nackt im Wellenschaum.
Jan baumelt an der Reling, Jan! und schaukelt, was er schaukeln kann. Wenn’s an die Planken plitscht und platscht, der blanke Steert ins Wasser klatscht.
Wie greift er da die Fische flink: Ein Butt bei jedem Wellenblink! Die dörrt auf Deck der Sonnenschein, und Jantje beißt vergnügt hinein.
Jan Boje segelt immerfort, spuckt über Back- und Steuerbord und kommt zurück trotz Schabernack, das ganze Schiff voll Kautabak.
Wer aber ist Jan Boje, he? Der Teufelsmaat und Held zur See? Jan Boje ist ein Fischerjung’, ein Knirps, ein Kerl, ein frischer Jung'.
Grad liegt er auf dem Bauch im Sand und lenkt ein schwimmend Brett am Band, und ob die Woge kommt und geht, ob sich sein Brett im Wirbel dreht -:
Sein starrer Blick ins Ferne steht.
Da schwillt’s heran im Sonnengleiß von tausend Segeln breit und weiß; da hebt sich manch ein Riesenbug wie düstrer Spuk und Augentrug…
Das wandert ewig übers Meer. Wann kommt Jan Bojes Schiff daher?
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Interpretation
Das Gedicht "Lütt Jan" von Otto Ernst handelt von einem jungen Fischerjungen namens Jan Boje, der von einem großen Schiff träumt, das ihn von hier bis nach Amerika bringen soll. Er imaginiert ein gigantisches Schiff mit Turmmasten, die das Himmelsdach entzweiklingeln, und Wolken als wilde Segel. Jan Boje hängt nackt im Klüverbaum und strampelt im Wellenschaum, während er an der Reling baumelt und Fische fängt, die er in der Sonne dörren lässt. Die Realität sieht jedoch anders aus: Jan Boje ist ein kleiner, frischer Junge, der auf dem Bauch im Sand liegt und ein schwimmendes Brett am Band lenkt. Sein starrer Blick richtet sich in die Ferne, während er auf sein Traumschiff wartet. Das Gedicht beschreibt die Sehnsucht und die Träume des jungen Jungen, der sich nach Abenteuern und der weiten Welt sehnt. Am Ende des Gedichts erscheint eine Flotte von Schiffen am Horizont, die wie ein düsterer Spuk oder ein Augentrug wirken. Diese Schiffe wandern ewig übers Meer, und Jan Boje wartet darauf, dass sein eigenes Schiff daherkommt. Das Gedicht vermittelt die Unendlichkeit der Sehnsucht und die Hoffnung auf die Erfüllung der Träume, auch wenn diese möglicherweise nie in Erfüllung gehen werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wenn's an die Planken plitscht und platscht
- Bildsprache
- Jan Boje hängt am Klüverbaum und strampelt nackt im Wellenschaum
- Hyperbel
- Die Masten müßten Türme sein, die stießen - hei, was ist dabei? - klingling das Himmelsdach entzwei
- Ironie
- Das ganze Schiff voll Kautabak
- Kontrast
- Grad liegt er auf dem Bauch im Sand und lenkt ein schwimmend Brett am Band
- Metapher
- Ein Schiff so groß - ein Schiff - hurra: von hier bis nach Amerika.
- Personifikation
- Die Wolken wären Segel gut, die knallen wild im Wind vor Wut
- Symbolik
- Jan Boje ist ein Fischerjung', ein Knirps, ein Kerl, ein frischer Jung'
- Vorausdeutung
- Da schwillt's heran im Sonnengleiß von tausend Segeln breit und weiß
- Übertreibung
- Ein Butt bei jedem Wellenblink