Lover′s Seat

Ernst Stadler

1914

Im Abend sind wir steile grünbebuschte Dünenwege hingeschritten. Du ruhst an mich gedrängt. Die Kreideklippe schwingt ihr schimmerndes Gefieder über tiefem Meere. Hier, wo der Fels in jäher Todesgier ins Leere Hinüberlehnt, sind einst zwei Liebende ins weiche blaue Bett geglitten.

Fern tönt die Brandung. Zwischen Küssen lausch ich der Legende, Die lachend mir dein Mund in den erglühten Sommerabend spricht. Doch tief mich beugend seh′ ich wie im Glück erstarren dein Gesicht Und dumpfe Schwermut hinter deinen Wimpern warten und das nahe Ende.

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Illustration zu Lover′s Seat

Interpretation

Das Gedicht "Lover's Seat" von Ernst Stadler schildert eine romantische Szene an einer Küste am Abend. Ein Paar schreitet über grün bewachsene Dünenwege und ruht sich aneinander gedrängt aus. Die Kreideklippe ragt mit ihrem schimmernden Gefieder über das tiefe Meer. An dieser Stelle, wo der Felsen in jäher Todesgier ins Leere hinüberlehnt, sind einst zwei Liebende ins weiche blaue Bett geglitten. Während die Brandung im Hintergrund zu hören ist, lauscht der Sprecher zwischen Küssen der Legende, die sein Mund ihm lachend in den erglühten Sommerabend spricht. Doch während er sich tief zu ihr beugt, sieht er, wie ihr Gesicht im Glück erstarrt. Dumpfe Schwermut lauert hinter ihren Wimpern und das nahe Ende. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung von Vergänglichkeit und Melancholie. Obwohl die Liebenden einen romantischen Moment am Meer genießen, ist ihnen die Vergänglichkeit ihres Glücks bewusst. Die Bilder der steilen Klippen, des tiefen Meeres und des nahen Endes unterstreichen die Endlichkeit des Lebens und der Liebe. Die dumpfe Schwermut hinter den Wimpern der Geliebten deutet auf die Unausweichlichkeit des Endes hin, auch wenn sie sich im Moment des Glücks befinden.

Schlüsselwörter

abend steile grünbebuschte dünenwege hingeschritten ruhst gedrängt kreideklippe

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Stilmittel

Alliteration
ins weiche blaue Bett geglitten
Bildsprache
Im Abend sind wir steile grünbebuschte Dünenwege hingeschritten
Kontrast
Doch tief mich beugend seh′ ich wie im Glück erstarren dein Gesicht
Metapher
Die Kreideklippe schwingt ihr schimmerndes Gefieder über tiefem Meere
Personifikation
Die Kreideklippe schwingt ihr schimmerndes Gefieder
Symbolik
Hier, wo der Fels in jäher Todesgier ins Leere Hinüberlehnt
Vorausdeutung
Und dumpfe Schwermut hinter deinen Wimpern warten und das nahe Ende