Lotosblume

Heinrich Heine

1797

Wahrhaftig, wir beide bilden Ein kurioses Paar, Die Liebste ist schwach auf den Beinen, Der Liebhaber lahm sogar.

Sie ist ein leidendes Kätzchen, Und er ist krank wie ein Hund, Ich glaube, im Kopfe sind beide Nicht sonderlich gesund.

Vertraut sind ihre Seelen, Doch jedem von beiden bleibt fremd Was bei dem andern befindlich Wohl zwischen Seel und Hemd.

Sie sei eine Lotosblume, Bildet die Liebste sich ein; Doch er, der blasse Geselle, Vermeint der Mond zu sein.

Die Lotosblume erschließet Ihr Kelchlein im Mondenlicht, Doch statt des befruchtenden Lebens Empfängt sie nur ein Gedicht.

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Illustration zu Lotosblume

Interpretation

Das Gedicht "Lotosblume" von Heinrich Heine ist eine ironische und humorvolle Darstellung einer ungewöhnlichen Beziehung. Das Paar wird als kurios beschrieben, wobei die Liebste körperlich schwach und der Liebhaber sogar lahm ist. Beide werden als krank und geistig nicht ganz gesund dargestellt, was eine gewisse Absurdität in ihrer Verbindung unterstreicht. Die Seelen der Liebenden sind zwar vertraut, doch bleibt ihnen das, was der andere in sich trägt, fremd. Diese innere Distanz wird durch die Metapher des "zwischen Seel und Hemd" betont, was auf eine tiefe, aber unerfüllte Verbundenheit hindeutet. Die Liebste sieht sich selbst als Lotosblume, ein Symbol für Reinheit und Schönheit, während der Liebhaber sich als Mond versteht, der die Blume erleuchten und nähren möchte. Die Ironie des Gedichts kulminiert im letzten Vers, wo die Lotosblume zwar ihren Kelch im Mondenlicht öffnet, aber statt Leben nur ein Gedicht empfängt. Dies deutet darauf hin, dass die Beziehung zwar romantisch und poetisch ist, aber letztlich unproduktiv und ohne wirkliche Erfüllung bleibt. Heine kritisiert damit die oft idealisierte, aber letztlich leere Natur solcher Beziehungen.

Schlüsselwörter

beide liebste lotosblume wahrhaftig bilden kurioses paar schwach

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Stilmittel

Bildsprache
Die Lotosblume erschließet Ihr Kelchlein im Mondenlicht
Gleichnis
Sie ist ein leidendes Kätzchen, Und er ist krank wie ein Hund
Hyperbel
Vertraut sind ihre Seelen
Kontrast
Die Liebste ist schwach auf den Beinen, Der Liebhaber lahm sogar
Metapher
Sie sei eine Lotosblume
Personifikation
Die Lotosblume erschließet Ihr Kelchlein im Mondenlicht