Los des Lyrikers

August von Platen

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Stets am Stoff klebt unsere Seele, Handlung Ist der Welt allmächtiger Puls, und deshalb Flötet oftmals tauberem Ohr der hohe Lyrische Dichter.

Gerne zeigt jedwedem bequem Homer sich, Breitet aus buntfarbigen Fabelteppich; Leicht das Volk hinreißend erhöht des Dramas Schöpfer den Schauplatz:

Aber Pindars Flug und die Kunst des Flaccus, Aber dein schwerwiegendes Wort, Petrarca, Prägt sich uns langsamer ins Herz, der Menge Bleibt’s ein Geheimnis.

Jenen ward bloß geistiger Reiz, des Liedchens Leichter Takt nicht, der den umschwärmten Putztisch Ziert. Es dringt kein flüchtiger Blick in ihre Mächtige Seele.

Ewig bleibt ihr Name genannt und tönt im Ohr der Menschheit; doch es geselle sich ihnen Seiten freundschaftsvoll ein Gemüt und huldigt Körnigem Tiefsinn.

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Illustration zu Los des Lyrikers

Interpretation

Das Gedicht "Los des Lyrikers" von August von Platen thematisiert die unterschiedliche Rezeption und Wirkung von lyrischer und epischer Dichtung. Der Autor stellt die unmittelbare, populäre Anziehungskraft epischer Werke, wie sie von Homer geschaffen wurden, der tieferen, aber weniger zugänglichen Wirkung der Lyrik gegenüber. Während epische Dichtung die Massen mit ihren farbenfrohen Erzählungen und dramatischen Szenen begeistert, bleibt die Lyrik oft ein Geheimnis für die breite Öffentlichkeit. Platen deutet an, dass die wahre Kraft der lyrischen Poesie in ihrer Fähigkeit liegt, tiefe Emotionen und Gedanken zu vermitteln, die nicht sofort offensichtlich sind. Der Dichter hebt die Größe und den Einfluss von lyrischen Meistern wie Pindar, Flaccus und Petrarca hervor, deren Worte zwar langsamer ins Herz der Menschen dringen, aber eine nachhaltigere Wirkung entfalten. Platen betont, dass die lyrische Poesie oft von einem oberflächlichen Blick übersehen wird, der sich nur auf den ästhetischen Reiz konzentriert. Die wahre Essenz der lyrischen Werke, ihre "mächtige Seele", bleibt für diejenigen verborgen, die nicht bereit sind, sich tiefer mit ihnen auseinanderzusetzen. Abschließend unterstreicht Platen die zeitlose Natur des lyrischen Erbes. Die Namen der großen Lyriker werden für immer in der Menschheit widerhallen, aber es bedarf eines einfühlsamen und aufmerksamen Gemüts, um ihre tieferen Bedeutungen zu schätzen. Die Freundschaft und Huldigung eines solchen Gemüts ermöglicht es, die "körnige Tiefe" ihrer Werke zu erkennen und zu ehren. Platen fordert somit eine bewusstere und tiefere Auseinandersetzung mit der lyrischen Poesie, um ihre wahre Schönheit und Bedeutung zu erfassen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Flötet oftmals taubem Ohr der hohe Lyrische Dichter
Hyperbel
Gerne zeigt jedwedem bequem Homer sich
Metapher
Körnigem Tiefsinn
Personifikation
Stets am Stoff klebt unsere Seele