Lorenzo di Medici (1)

Luise Büchner

1862

Die niedren Hütten, wie die stolzen Hallen Firenze′s sind erfüllt von Gram und Schweigen, Die schönste Jungfrau, edel sonder Gleichen,

Die dort gewohnet, ist dem Tod gefallen, Zu ihrer Bahre Ströme Volkes wallen;

Ein Jeder will vor ihr die Kniee neigen, Ihm däucht an dieser lieblichsten der Leichen,

Es sei der Schönheit Reich mit ihr zerfallen, Denn, wie die Sonne, eh′ sie niedergeht,

Noch ihre vollste Gluth der Erde sendet, Im letzten Blick den höchsten Reiz verschwendet -

So hat im Leben selbst sie nie umweht

Ein solcher Zauber, solcher Schönheit Fülle, Als schadenfroh der Tod leiht ihrer Hülle!

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Interpretation

Das Gedicht "Lorenzo di Medici (1)" von Luise Büchner beschreibt den Tod einer jungen Frau, die in Florenz (Firenze) gelebt hat und von vielen Menschen verehrt wurde. Die Stadt ist von Trauer und Stille erfüllt, da die schönste Jungfrau ohne Gleichen dem Tod erlegen ist. Es wird beschrieben, wie die Menschen zu ihrem Bett fließen und sich vor ihr verneigen wollen, als wäre sie bereits tot. Sie glauben, dass mit ihr die Schönheit selbst gestorben ist. Die Autorin vergleicht den Tod der jungen Frau mit dem Untergang der Sonne, die noch vor ihrem Untergang ihre volle Kraft auf die Erde sendet und im letzten Blick ihren höchsten Reiz verschwendet. Ähnlich wie die Sonne hat die junge Frau im Leben selbst nie einen solchen Zauber oder eine solche Schönheit ausgestrahlt, wie der Tod ihr nun verleiht. Der Tod wird als schadenfroh beschrieben, da er der Hülle der Verstorbenen eine Schönheit verleiht, die sie zu Lebzeiten nie besaß. Das Gedicht reflektiert über die Vergänglichkeit des Lebens und die paradoxe Wirkung des Todes auf die Wahrnehmung von Schönheit. Es wird deutlich, dass die junge Frau zu Lebzeiten zwar bewundert wurde, aber erst durch ihren Tod eine transzendente Schönheit erlangt, die ihr zuvor nicht zugeschrieben wurde. Die Autorin nutzt eindrucksvolle Metaphern und eine elegante Sprache, um die Trauer und die Ehrfurcht der Menschen angesichts des Todes zum Ausdruck zu bringen.

Schlüsselwörter

tod schönheit solcher niedren hütten stolzen hallen firenze

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Stilmittel

Hyperbel
Es sei der Schönheit Reich mit ihr zerfallen
Metapher
Ein solcher Zauber, solcher Schönheit Fülle
Personifikation
Der Tod leiht ihrer Hülle
Vergleich
Denn, wie die Sonne, eh' sie niedergeht, Noch ihre vollste Gluth der Erde sendet