Logogryph

Wilhelm Hauff

1802

Kennst du das Wort, das Herzen mächtig bindet? Kennst du der Liebe trauliches Symbol? Das feste Band, das sich um Freunde windet, Des Fürsten Heil, des Vaterlandes Wohl?

An Stärke muß ihm Stahl und Eisen weichen; Doch hat es einen mächt′gen stillen Feind; Streichst du des hohen Wortes erstes Zeichen, Hast du die finstre Macht, die ich gemeint.

So lang die Welt steht liegen diese beiden Im Kampf um höchstes Leid und höchste Lust; Halt fest am Ganzen; laß sie nimmer streiten In deiner stillen und zufriednen Brust.

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Illustration zu Logogryph

Interpretation

Das Gedicht "Logogryph" von Wilhelm Hauff behandelt die Bedeutung eines Wortes, das Herzen bindet und Liebe symbolisiert. Es wird als festes Band beschrieben, das Freunde umwindet und sowohl dem Fürsten als auch dem Vaterland Wohlstand bringt. Dieses Wort ist so stark, dass Stahl und Eisen dagegen schwach sind. Doch das Gedicht offenbart auch eine verborgene Schwäche dieses Wortes: Ein mächtiger, stiller Feind lauert darauf, es zu zerstören. Wenn man das erste Zeichen dieses Wortes streicht, offenbart sich die finstere Macht, die es bedroht. Es entsteht ein Kampf zwischen dem Wort und seiner zerstörerischen Kraft, der um höchstes Leid und höchste Lust ringt. Die abschließende Aufforderung des Gedichts ist, das ganze Wort festzuhalten und zu verhindern, dass es in der eigenen Brust mit seiner zerstörerischen Kraft streitet. Es wird betont, dass man das Wort in seiner Gesamtheit bewahren soll, um die Harmonie und Zufriedenheit im eigenen Herzen zu wahren.

Schlüsselwörter

kennst stillen wort herzen mächtig bindet liebe trauliches

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Streichst du des hohen Wortes erstes Zeichen
Anapher
Kennst du das Wort, das Herzen mächtig bindet? Kennst du der Liebe trauliches Symbol?
Imperativ
Halt fest am Ganzen; laß sie nimmer streiten
Kontrast
So lang die Welt steht liegen diese beiden Im Kampf um höchstes Leid und höchste Lust
Metapher
Das feste Band, das sich um Freunde windet
Personifikation
Doch hat es einen mächt′gen stillen Feind