Lobgesänge auf König Ludwig
17971
Das ist Herr Ludwig von Bayerland, Desgleichen gibt es wenig; Das Volk der Bavaren verehrt in ihm Den angestammelten König.
Er liebt die Kunst, und die schönsten Fraun, Die läßt er porträtieren; Er geht in diesem gemalten Serail Als Kunsteunuch spazieren.
Bei Regensburg läßt er erbaun Eine marmorne Schädelstätte, |Und er hat höchstselbst für jeden Kopf Verfertigt die Etikette.
“Walhallagenossen”, ein Meisterwerk, Worin er jedweden Mannes Verdienste, Charakter und Taten gerühmt, Von Teut bis Schinderhannes.
Nur Luther, der Dickkopf, fehlt in Walhall,
Und es feiert ihn nicht der Walhall-Wisch; In Naturaliensammlungen fehlt Oft unter den Fischen der Walfisch.
Herr Ludwig ist ein großer Poet, Und singt er, so stürzt Apollo Vor ihm auf die Knie und bittet und fleht: “Halt ein! ich werde sonst toll, oh!”
Herr Ludwig ist ein mutiger Held, Wie Otto, das Kind, sein Söhnchen; Der kriegte den Durchfall zu Athen, Und hat dort besudelt sein Thrönchen.
Stirbt einst Herr Ludwig, so kanonisiert Zu Rom ihn der Heilige Vater – Die Glorie paßt für ein solches Gesicht, Wie Manschetten für unseren Kater!
Sobald auch die Affen und Känguruhs Zum Christentum sich bekehren, Sie werden gewiß Sankt Ludewig Als Schutzpatron verehren.
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Interpretation
Das Gedicht "Lobgesänge auf König Ludwig" von Heinrich Heine ist eine satirische Kritik an König Ludwig I. von Bayern. Heine verspottet den Monarchen für seine übertriebene Selbstverliebtheit und seinen künstlerischen Ehrgeiz. Der Dichter stellt den König als einen Mann dar, der die Kunst liebt, aber nur, um sich selbst zu glorifizieren. Er lässt sich von den schönsten Frauen porträtieren und spaziert in diesem "gemalten Serail" als "Kunsteunuch" herum, was auf seine mangelnde wahre künstlerische Sensibilität hinweist. Heine kritisiert auch Ludwigs monumentales Projekt, die Walhalla bei Regensburg, eine Nachbildung des berühmten Tempels in Griechenland, in dem er selbst die "Etikette" für jeden Kopf anfertigt. Der Dichter macht sich über die Aufnahme verschiedener Persönlichkeiten in die Walhalla lustig, einschließlich des berüchtigten Schinderhannes, während der bedeutende Reformator Martin Luther fehlt. Diese Auswahl spiegelt Ludwigs fragwürdiges Urteilsvermögen und seine Neigung zur Selbstverherrlichung wider. Schließlich stellt Heine den König als einen selbsternannten Dichter und Helden dar, der in seinen eigenen Augen Apollo in den Schatten stellt und mutig genug ist, um in Athen den Durchfall zu bekommen. Das Gedicht endet mit einer sarkastischen Anspielung auf die mögliche Heiligsprechung Ludwigs durch den Papst und seiner Anerkennung als Schutzpatron durch Tiere, was die Absurdität seiner Selbstüberschätzung unterstreicht. Heine nutzt diese übertriebenen Lobeshymnen, um die Eitelkeit und den Größenwahn des Königs bloßzustellen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Walhall-Wisch
- Hyperbel
- Sobald auch die Affen und Känguruhs Zum Christentum sich bekehren, Sie werden gewiß Sankt Ludewig Als Schutzpatron verehren
- Ironie
- Herr Ludwig ist ein mutiger Held, Wie Otto, das Kind, sein Söhnchen; Der kriegte den Durchfall zu Athen, Und hat dort besudelt sein Thrönchen
- Metapher
- Das Volk der Bavaren verehrt in ihm den angestammelten König
- Personifikation
- Walhallagenossen
- Spott
- Die Glorie paßt für ein solches Gesicht, Wie Manschetten für unseren Kater
- Übertreibung
- Herr Ludwig ist ein großer Poet, Und singt er, so stürzt Apollo Vor ihm auf die Knie und bittet und fleht: 'Halt ein! ich werde sonst toll, oh!'