Lob des tabacks

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

1643

Rosen und violen Mögen kinder holen Kinder dieser zeit. Diß / was meinen sinn erfreut Und in meinen händen brennet Wird taback genennet.

Bisem muß dir weichen Dir ist nicht zu gleichen Ambra und zibeth; Wenn dein schöner rauch auffgeht Und dein edles feuer blicket So bin ich erquicket.

Haben böse zungen Viel von dir gesungen Und dir beygewollt; Dieses ist nicht deine schuld. Bleibet doch / der alles führet Niemahls unberühret.

Diß soll mich nicht treiben Von dir weg zu bleiben Wenn der pöbel sagt Daß mir rauch und dampff behagt. Er / sein geld und seine taschen Wird zu rauch und aschen.

Nun so will ich trincken Weil die sternen blincken Und das grosse licht Durch die düstren wolcken bricht; Ja / des Phöbus güldner wagen Soll mein rauchwerck tragen.

Venus wird nicht zürnen Wenn auf ihre stirnen Sich tabacks-rauch legt. Ward sie doch auch nicht bewegt Wenn Vulcan / das ungeheuer Machte rauch und feuer.

Und vor andern allen Wird der rauch gefallen Dir / o krieges-gott. Drum hat es auch keine noth Wenn die sachen / so wir üben Nur die götter lieben.

Nun / ihr lieben brüder Thut / was wein und lieder Itzt hat angestimmt. Schaut! wie meine pfeiffe glimmt Da doch meiner liebsten sinnen Nicht so brennen können.

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Illustration zu Lob des tabacks

Interpretation

Das Gedicht "Lob des Tabaks" von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau ist eine Ode an das Tabakrauchen, das der Dichter als eine Quelle der Freude und Erquickung preist. Er vergleicht den Tabak mit anderen kostbaren Dingen wie Rosen, Violen, Bisem, Ambra und Zibeth, findet aber den Tabak unübertrefflich. Der Dichter lässt sich durch die Kritik der "bösen Zungen" nicht beirren und betont, dass der Tabak unschuldig ist an den negativen Auswirkungen, die ihm zugeschrieben werden. In weiteren Strophen stellt er den Tabak in einen göttlichen Kontext, indem er ihn mit dem Licht der Sterne und der Sonne vergleicht und sogar die Göttin Venus und den Kriegsgott Mars als Tabakfreunde imaginiert. Der Dichter fordert seine "lieben Brüder" auf, Wein und Lieder zu genießen, während er selbst seine Pfeife raucht, wobei er andeutet, dass die Leidenschaft für den Tabak in seinen Gedanken nicht so sehr brennen kann wie das Tabakfeuer in seiner Pfeife. Insgesamt ist das Gedicht eine leidenschaftliche Verteidigung des Tabakkonsums, die den Tabak als eine erhabene und göttliche Substanz darstellt, die allen Widrigkeiten zum Trotz genossen werden soll.

Schlüsselwörter

rauch kinder diß feuer soll lieben rosen violen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Und des Phöbus güldner wagen / Soll mein rauchwerck tragen.
Anapher
Und vor andern allen / Wird der rauch gefallen / Dir / o krieges-gott.
Apostrophe
Dir / o krieges-gott.
Enjambement
Rosen und violen Mögen kinder holen Kinder dieser zeit.
Hyperbel
Bisem muß dir weichen / Dir ist nicht zu gleichen / Ambra und zibeth;
Kontrast
Diß soll mich nicht treiben / Von dir weg zu bleiben / Wenn der pöbel sagt / Daß mir rauch und dampff behagt.
Metapher
Und des Phöbus güldner wagen / Soll mein rauchwerck tragen.
Personifikation
Diß / was meinen sinn erfreut / Und in meinen händen brennet / Wird taback genennet.
Vergleich
Bisem muß dir weichen / Dir ist nicht zu gleichen / Ambra und zibeth;