Lob der Poeten
1805Kaum gläub′ ich, daß auf dieser Erd′ Ein höher Lob gegeben werd′ An allem Ort′ und Enden, Als denen, die mit Hand und Mund Des Himmels Gaben machen kund, Ja Lehr′ und Tugend senden In manches Herz, das dieser Zeit Sich sondert von der Eitelkeit.
Poeten mein′ ich, werter Freund, Poeten, welchen niemand feind Als Leute, die nichts wißen; Die nur sind Schlaven dieser Welt, Ja Tag und Nacht das bloße Geld Zu samlen sind geflißen. Bei solchem Stank und Lasterschaum Hat selten ein Poete Raum.
Ein edler Geist, der höher zielt, Ein Geist, der Feur und Himmel fühlt, Ist inniglich gewogen Der hochgelahrten Tichter Schar, Von welchen nimmermehr fürwahr Ein Frommer wird betrogen; Da samlet sich zu ieder Frist Was hungrig nach der Weisheit ist.
Wenn lobet Gott ein reiner Mund, Wer ehret ihn aus Herzengrund? Ich mein′, es thun Poeten. Wer rühmet Gottes Wunderthat, Im Fall er ihn erlöset hat Aus großer Angst und Nöten? Wer singet Gott ein Liedelein? Ich sage, daß es Tichter sein.
Wer wüste von den Helden doch Ein einzigs Wort zu sagen noch, Welch′ Ilium bezwungen, Wenn der Poeten Haubt und Licht, Homerus, ihre Thaten nicht Der Nachwelt vorgesungen? Ein hochbegabter Tichter schreibt Ein Werk, das nach dem Tode bleibt.
Poeten können Herz und Sinn Durch ihre Kunst zum Trauren hin, Wenn sie nur wollen, bringen; Sie können wiedrum schweres Leid Verkehren bald in lauter Freud′ Und solches durch ihr Singen. Was Menschen Augen je gesehn, Muß ihnen schnell zu Dienste stehn.
Dafern nur ein Poete wil, So steht der Himmel nimmer stil, Die Sterne müssen tanzen; Es springen auch die Stein′ herfür, Da hüpfen Wälder, Berg′ und Thier′, Es zittern Wäll′ und Schanzen; Ja, was die schwarze Nacht bedeckt, Wird durch Poeten aufgeweckt.
Herr Klaius, tretet doch herbei, Durchleset dieß und saget frei, Ob ich die Wahrheit schreibe? Das weiß ich, daß kein Biedermann, Was ich hier singe, strafen kan, Wenn ich nur kühnlich bleibe Bei dem allein, was Ihr gemacht, Worüber Erd′ und Himmel lacht.
Ihr, werter Tichter, und der Held, Herr Harstorff, den die große Welt Vor tausend andre preiset, Ihr beide singet dergestalt, Daß Ihr, was ich geschrieben, bald Mit Hand und Mund′ erweiset; Drum seid Ihr, Lichter dieser Zeit, Gesichert vor der Sterblichkeit.
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Interpretation
Das Gedicht "Lob der Poeten" von Johann Rist preist die Dichter als die höchsten und edelsten Gestalten auf Erden. Es vergleicht sie mit den Gaben des Himmels und stellt sie über die materialistischen und unwissenden Menschen der Welt. Die Dichter werden als Träger von Lehre und Tugend, als Verehrer Gottes und als Bewahrer der Geschichte und Heldentaten dargestellt. Sie haben die Macht, die Emotionen der Menschen zu beeinflussen und die Natur zu verzaubern. Das Gedicht endet mit einer direkten Ansprache an zwei Dichter, Herrn Klaius und Herrn Harstorff, die als Lichter ihrer Zeit gepriesen werden und durch ihre Werke vor dem Vergessen geschützt sind. Das Gedicht betont die Bedeutung der Dichter für die Gesellschaft und ihre Fähigkeit, die Herzen der Menschen zu berühren und zu erheben. Es stellt die Dichter als diejenigen dar, die Gott am meisten ehren und seine Wunder preisen. Durch ihre Worte können sie aus der Dunkelheit und der Angst erlösen und den Menschen Trost und Freude bringen. Die Dichter werden als die Hüter des Wissens und der Weisheit dargestellt, die die hungrigen Seelen nach Erkenntnis suchen. Das Gedicht feiert auch die kreative Kraft der Dichter, die in der Lage sind, die Realität zu transformieren und die Natur zum Leben zu erwecken. Sie können den Himmel zum Tanzen bringen, die Sterne zum Leuchten und die Berge zum Springen. Die Dichter werden als diejenigen dargestellt, die die Welt zum Leben erwecken und die verborgenen Schätze der Nacht enthüllen. Das Gedicht schließt mit einer persönlichen Anerkennung der beiden Dichter, Herrn Klaius und Herrn Harstorff, die durch ihre Werke die Ideale des Gedichts verkörpern und für die Ewigkeit bewahrt werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Kaum gläub ich, daß auf dieser Erd
- Anapher
- Ein edler Geist, der höher zielt, Ein Geist, der Feur und Himmel fühlt
- Hyperbel
- Die Sterne müssen tanzen
- Metapher
- Bei solchem Stank und Lasterschaum
- Personifikation
- Die Sterne müssen tanzen
- Rhetorische Frage
- Wer lobet Gott ein reiner Mund
- Vergleich
- Ein Werk, das nach dem Tode bleibt
- Wortwiederholung
- Poeten, welchen niemand feind