Lob der Liebe
1200O liebe herzen-binder Du herr der freundlichkeit Und aller guten zeit Du zwietracht überwinder Du grosser wohlfahrt heger Wie daß die ganze welt Dir hin zu fusse fällt Und folget deinem läger?
Wie weist du einzusperren Des scepters ganze macht! Dir dient der cronen-pracht Der knecht auch samt dem herren. Das alter wird gerissen Zwar an dein strenges joch Die jugend pflegst du doch Am meisten einzuschliessen.
Du wagst dich in die wangen Der frauen-bilder hin Und führst den starcken sinn Der männer so gefangen. Was keine macht kan brechen Kein stahl kein fallend bley Was keine tyranney Weist endlich du zu schwächen.
Du hast die welt gelehret Das was sie gutes hat Daher auch dorff und stadt Dir billich zugehöret: Daß wir die felder bauen Nach ehr und gütern stehn Tieff in das erdreich gehn Uns wind und wellen trauen.
Wodurch wir zugenommen In aller pracht und zier Muß eigentlich von dir Du weltbereicher kommen. Du endest angst und leiden; Greiffst du o amor! an Und hilffst so träget man Des creutzes last mit freuden.
Durch dich muß alles werden Was vieh und menschen noth Ohn dich komt weder brodt Noch weinwachs aus der erden: Wie schön die vögel singen Wie frölich durch das meer Der fische schaar das heer Der thier im walde springen;
Wie lustig sich mit tänzen Das volck der sternen macht Wie helle bey der nacht Sie um den mond her glänzen; Wie schnell der sonnen-räder Wie lieblich lufft und wind Wie angenehm uns sind Die brunnen flüsse bäder.
Doch wäre nichts zu spüren Von allem was man kennt Wenn du das regiment Nicht liebe soltest führen. Glückseelig ist die stunde Kriegt anders zeit hie stat Da gott gezeugt dich hat Aus seines herzen grunde.
Man hat von keinen plagen Da irgend wo gewust Und nur von lauter lust Und freude können sagen; Da war kein haß vorhanden Kein argwohn und kein streit Fried und gerechtigkeit Sind um dich her gestanden.
Man sieht noch itzund leben Und grosses wohlergehn An allen orthen stehn Wo du dich hinbegeben So komm nun dein begnügen Umschließ auch dieses paar In eintracht immerdar Die ehlich itzt sich fügen.
Du bist es den wir singen Du und das wahren guth Der uns das liebste thut Gott selbst für allen dingen: Wir werden angetrieben Zu sagen: er allein Muß selbst die liebe seyn Die er so rein kan üben.
O seelig seelig wären Wir menschen allerseit! Die wir durch haß und streit Erbärmlich uns verzehren Wenn doch auch uns die liebe Die alles hie und da Und selbst den himmel ja Am meisten gott treibt triebe.
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Interpretation
Das Gedicht "Lob der Liebe" von Simon Dach preist die Liebe als eine übermächtige und alles vereinende Kraft. Der Dichter beschreibt die Liebe als den "Herrn der Freundlichkeit" und den "Zwietrachtüberwinder", der selbst die stärksten Barrieren wie Alter, Geschlecht und gesellschaftliche Unterschiede überwindet. Er betont, dass die Liebe in der Lage ist, selbst die härtesten Herzen zu erweichen und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Dach verdeutlicht die allgegenwärtige Wirkung der Liebe, indem er sie mit den natürlichen Elementen und der Schönheit der Welt in Verbindung bringt. Er beschreibt, wie die Liebe die Felder gedeihen lässt, die Tiere im Wald springen und die Vögel singen. Ohne die Liebe wäre die Welt ein trostloser und leerer Ort. Der Dichter betont, dass die Liebe das einzige ist, was die Welt zusammenhält und ihr einen Sinn gibt. Abschließend wendet sich Dach direkt an die Liebe und bittet sie, auch das neuvermählte Paar in Eintracht und Harmonie zu begleiten. Er preist die Liebe als das größte Gut und vergleicht sie sogar mit Gott selbst. Der Dichter wünscht sich, dass die Liebe auch in den Herzen der Menschen Einzug hält, um Hass und Streit zu überwinden und eine glücklichere Welt zu schaffen.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Hyperbel
- Wie daß die ganze welt Dir hin zu fusse fällt
- Metapher
- Und selbst den himmel ja Am meisten gott treibt triebe
- Personifikation
- O liebe herzen-binder Du herr der freundlichkeit