Lob der Gottheit
1725Des Himmels ewig dauerndes Gewölbe, Das über allen Sternen hängt, Der Erdball unter ihm, gegründet auf sich selber, Verkündigt seinen Herrn.
Ihn lobt der Tag, ihn singt mit tausend Zungen Die Nacht, und alle Welt vernimmt Den Lobgesang der Nacht, und alle Völker hören Des Tages Königin.
Sie steigt auf ihren Purpurthron im Osten, Geht triumphirend ihre Bahn, Und überschaut ihr Reich, bis sie der Abendhimmel In seine Thore nimmt.
Ihr Anblick, wenn sie durch den Aether wallet, Zieht Wälder aus der Erde Schooß, Und aus der Fluth den Thau, der aus den Wolken träufelt, Und aus den Bergen strömt.
Sie wickelt das erwärmte Rund der Erde In einen grünen Teppich ein, Bestreut mit Blumen ihn, hell leuchtend, wie die Farben Des Gürtels, den sie webt.
Aus ihrem Feuermeer füllt seine Lampe Der Mond mit Licht; der Morgenstern Und seiner Brüder Chor, bekränzt von ihr mit Strahlen, Tanzt freudig um sie her.
Laut ruft sie durch die grenzenlose Tiefe, Und alle Sterne rufen laut: Allmächtig ist die Hand, die uns zusammenfaßte, Und in den Weltraum warf.
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Interpretation
Das Gedicht "Lob der Gottheit" von Karl Wilhelm Ramler ist eine poetische Hymne an die Schöpfung und die göttliche Macht, die hinter ihr steht. Ramler preist die Schönheit und Ordnung des Universums als Ausdruck der Größe Gottes. Das Gedicht beginnt mit der Beschreibung des Himmels und der Erde als Zeugnisse der göttlichen Schöpfung, die ihren Herrn verkünden. Tag und Nacht werden als Lobgesang auf die Gottheit dargestellt, wobei die Sonne als "Königin des Tages" triumphierend über den Himmel zieht. In den folgenden Strophen wird die Sonne als lebensspendende Kraft verehrt, die die Erde erwärmt und mit Leben erfüllt. Ramler beschreibt, wie die Sonne Wälder, Tau und Berge hervorbringt und die Erde in einen grünen Teppich hüllt, der mit Blumen bestreut ist. Die Sonne wird als Weberin eines bunten Gürtels dargestellt, der die Erde umgibt. Der Mond und die Sterne werden als Teilnehmer an diesem göttlichen Chor dargestellt, die im Licht der Sonne tanzen und ihre Strahlen von ihr empfangen. Das Gedicht endet mit einem Ausruf der Sonne durch die "grenzenlose Tiefe", der von allen Sternen widerhallt. Dieser Ruf preist die allmächtige Hand, die die Sterne zusammenfasste und in den Weltraum warf. Ramler vermittelt damit die Idee einer harmonischen und geordneten Schöpfung, die von einer höheren Macht gelenkt wird. Das Gedicht ist ein Ausdruck der Aufklärung, die die Naturwissenschaften und die Religion in Einklang bringt und die Schönheit der Schöpfung als Beweis für die Existenz Gottes preist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Allmächtig ist die Hand, die uns zusammenfaßte, und in den Weltraum warf
- Metapher
- Laut ruft sie durch die grenzenlose Tiefe
- Personifikation
- und alle Sterne rufen laut