Lob der Faulheit

Gotthold Ephraim Lessing

1771

Fleiß und Arbeit lob ich nicht, Fleiß und Arbeit lob ein Bauer. Ja, der Bauer selber spricht, Fleiß und Arbeit wird ihm sauer. Faul zu sein sei meine Pflicht, Diese Pflicht ermüdet nicht.

Bruder, laß das Buch voll Staub! Willst du länger mit ihm wachen? Morgen bist du selber Staub! Laß uns faul in allen Sachen, nur nicht faul zu Lieb und Wein, nur nicht faul zur Faulheit sein!

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Interpretation

Das Gedicht "Lob der Faulheit" von Gotthold Ephraim Lessing ist eine ironische Kritik an der übermäßigen Arbeitsmoral seiner Zeit. Der Sprecher preist die Faulheit als seine Pflicht, die ihn nicht ermüdet, und stellt damit den gesellschaftlichen Wert der Fleißarbeit in Frage. Die Aussage, dass selbst der Bauer, der traditionell als fleißig gilt, die Arbeit als anstrengend empfindet, unterstreicht die allgemeine Unzufriedenheit mit der Arbeitsmoral. In der zweiten Strophe wird die Vergänglichkeit des Lebens betont, indem der Sprecher seinen Bruder auffordert, das staubige Buch beiseitezulegen und sich der Faulheit hinzugeben. Die Erinnerung daran, dass der Mensch selbst morgen Staub sein wird, soll als Mahnung dienen, die Zeit sinnvoll zu nutzen und sich nicht unnötig mit Arbeit zu belasten. Die Faulheit wird hier als eine Form des Widerstands gegen die gesellschaftlichen Erwartungen und Normen dargestellt. Der abschließende Vers, in dem der Sprecher auffordert, nicht faul zu sein in Bezug auf Liebe und Wein, zeigt eine gewisse Ambivalenz in der Haltung zur Faulheit. Während er die allgemeine Faulheit befürwortet, erkennt er doch an, dass es Bereiche im Leben gibt, in denen man aktiv sein sollte. Die Faulheit wird also nicht als absolute Lebensweise, sondern als bewusste Entscheidung gegen übermäßige Arbeit und für die Freude am Leben verstanden.

Schlüsselwörter

faul fleiß arbeit lob bauer selber pflicht laß

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Stilmittel

Alliteration
nur nicht faul zu Lieb und Wein, nur nicht faul zur Faulheit sein!
Kontrast
Fleiß und Arbeit lob ich nicht, Faul zu sein sei meine Pflicht.
Metapher
Morgen bist du selber Staub!
Parallelismus
Faul zu sein sei meine Pflicht, Diese Pflicht ermüdet nicht.
Wiederholung
Fleiß und Arbeit lob ich nicht, Fleiß und Arbeit lob ein Bauer.