Litthauische Sage
1892Auf den dunkeln, nächt′gen Wolken Sitzt Werpega, schaut und sinnt - Wird ein Erdenkind geboren, Knüpft sie Fäden an und spinnt; Und in jeden Schicksalsfaden Spinnt sie emsig Lust und Leiden, Aber an des Fadens Ende Glänzt ein Stern für jedes Kind
Wenn der Tod zwei Augen schließet, Reißt der Schicksalsfaden ab, Und vom Himmel sinkt erbleichend Dann ein heller Stern herab; Neue Sterne knüpft Werpega Wieder still an neue Fäden, Schauet ernst aus nächt′gen Wolken Auf die Wiege, auf das Grab.
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Interpretation
Das Gedicht "Litthauische Sage" von Auguste Kurs handelt von der mythologischen Figur Werpega, die als Schicksalsgöttin auf dunklen Wolken sitzt und das Geschehen auf der Erde beobachtet. Sie knüpft Fäden und spinnt das Schicksal jedes neugeborenen Kindes, wobei sie Lust und Leiden in die Fäden einwebt. An jedem Fadenende leuchtet ein Stern, der das Schicksal des Kindes symbolisiert. Die zweite Strophe beschreibt den Tod und das Ende des Lebensfadens. Wenn jemand stirbt, reißt der Schicksalsfaden ab und ein heller Stern sinkt vom Himmel herab. Werpega knüpft dann neue Sterne an neue Fäden und blickt ernst von den nächtlichen Wolken auf die Wiege und das Grab. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung und reflektiert über die Vergänglichkeit des Lebens und die Unausweichlichkeit des Todes. Insgesamt ist das Gedicht eine poetische Auseinandersetzung mit dem Schicksal und dem Kreislauf von Geburt und Tod. Es vermittelt eine Ahnung von der Vergänglichkeit des Lebens und der Unausweichlichkeit des Todes, aber auch von der Hoffnung und dem Trost, den die Sterne als Symbole für das Schicksal jedes Einzelnen spenden können.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Lust und Leiden werden in jeden Schicksalsfaden eingesponnen
- Metapher
- Der Tod reißt den Schicksalsfaden ab
- Personifikation
- Werpega sitzt auf den dunklen, nächtlichen Wolken und schaut und sinnt
- Symbolik
- Die Wiege und das Grab symbolisieren den Anfang und das Ende des Lebens
- Wiederholung
- Werpega knüpft neue Sterne an neue Fäden