Literaturcafé

Paul Boldt

1885

Wortwarenladen, wo es gurrt und murrt: Des Hauses Echo, das hier Ego schreit: Der Literat oder die Eitelkeit: Das fürbaß schwatzende Gehirn Hans Wurst.

Es redet stets und muß beisammen sitzen. Ist hier einer, der Zorn empfand und schrie! Ihr richtet lieber Worte ab zu Witzen Und äfft die Hölle mit Analgesie.

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Interpretation

Das Gedicht "Literaturcafé" von Paul Boldt beschreibt einen Ort, an dem sich Schriftsteller und Intellektuelle treffen, um über Literatur und andere Themen zu diskutieren. Der Dichter verwendet dabei eine Vielzahl von Metaphern und Anspielungen, um die Atmosphäre und die Dynamik dieser Zusammenkünfte zu vermitteln. Im ersten Vers beschreibt Boldt den Ort als einen "Wortwarenladen", in dem es "gurrt und murrt". Dies deutet auf eine lebhafte und laute Atmosphäre hin, in der viele verschiedene Stimmen und Meinungen aufeinandertreffen. Der zweite Vers bezieht sich auf das "Echo" des Hauses, das hier "Ego" schreit. Dies kann als Anspielung auf die Eitelkeit und Selbstbezogenheit der Anwesenden interpretiert werden, die sich in ihren eigenen Gedanken und Meinungen verlieren. Der dritte Vers führt den Begriff "Literat" ein, der als Synonym für den Schriftsteller oder Intellektuellen verwendet wird. Der Dichter stellt jedoch die Frage, ob es sich bei diesem "Literaten" um eine "Eitelkeit" handelt, die sich in ihrer eigenen Bedeutung suhlt. Der vierte Vers verwendet eine Metapher, um die geistige Aktivität der Anwesenden zu beschreiben. "Das fürbaß schwatzende Gehirn Hans Wurst" deutet darauf hin, dass die Diskussionen oberflächlich und belanglos sind, ähnlich wie das Geschwätz eines Hans Wurst, einer Figur aus dem Volksmärchen, die für ihre Dummheit bekannt ist. Im zweiten Strophenabschnitt setzt Boldt die Kritik an der Atmosphäre im Literaturcafé fort. Der erste Vers besagt, dass die Anwesenden "stets" reden und "beisammen sitzen" müssen, was auf eine gewisse Zwanghaftigkeit und Abhängigkeit von diesen Zusammenkünften hindeutet. Der zweite Vers stellt die Frage, ob es jemanden gibt, der "Zorn empfand und schrie", was auf eine mögliche Frustration oder Unzufriedenheit mit der Situation hindeutet. Der dritte Vers kritisiert das Verhalten der Anwesenden, die "Worte ab zu Witzen richten". Dies deutet darauf hin, dass ernsthafte Diskussionen oft in belanglose Scherze umgewandelt werden, um Konflikte oder Meinungsverschiedenheiten zu vermeiden. Der letzte Vers verwendet eine Metapher, um die Atmosphäre im Literaturcafé zu beschreiben. "Und äfft die Hölle mit Analgesie" deutet darauf hin, dass die Anwesenden versuchen, die Hölle (als Symbol für Leid und Schmerz) mit Analgesie (als Symbol für Betäubung oder Taubheit) nachzuahmen. Dies kann als Kritik an der Oberflächlichkeit und dem Mangel an Tiefe in den Diskussionen interpretiert werden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anspielung
Hans Wurst
Ironie
Und äfft die Hölle mit Analgesie
Metapher
Wortwarenladen
Personifikation
des Hauses Echo, das hier Ego schreit