Linde

Friedrich Hebbel

1835

Ich schritt vorbei an manchem Baum Im Spiel der Morgenwinde, Ich schwankte hin in wachem Traum Und sah nicht, wie der Blinde.

Doch plötzlich fuhr ich auf im Traum Und rief: »O Gott, wie linde!« Ich fand mich unterm Lindenbaum, Er hauchte Duft im Winde.

Ich aber sprach: »Du süßer Baum, Dich grüßt wohl auch der Blinde, Der deinen Namen selbst im Traum Noch nie gehört, als Linde.«

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Illustration zu Linde

Interpretation

Das Gedicht "Linde" von Friedrich Hebbel beschreibt einen Spaziergang des lyrischen Ichs an verschiedenen Bäumen, die im Spiel der Morgenwinde tanzen. Der Sprecher befindet sich in einem wachen Traumzustand und bemerkt nicht die Anwesenheit eines Blinden. Plötzlich erwacht er aus diesem Traum und ruft voller Bewunderung: "O Gott, wie linde!" Er findet sich unter einem Lindenbaum wieder, der Duft im Wind verströmt. Das Gedicht thematisiert die Schönheit und den betörenden Duft der Linde. Der Sprecher ist von der sanften und angenehmen Natur des Baumes so beeindruckt, dass er laut ausruft. Er richtet seine Worte direkt an den Baum und stellt sich vor, dass selbst der Blinde, der den Namen "Linde" noch nie gehört hat, diesen Baum grüßen würde. Es wird deutlich, dass die Linde eine besondere Bedeutung und Anziehungskraft hat, die über das bloße Sehen hinausgeht. Durch die Verwendung des wachen Traumzustands und des plötzlichen Erwachens unter dem Lindenbaum wird eine traumhafte Atmosphäre geschaffen. Der Sprecher scheint in eine andere Welt einzutauchen, in der die Linde eine magische und verzaubernde Wirkung entfaltet. Die Erwähnung des Blinden verstärkt die Idee, dass die Linde eine universelle Schönheit besitzt, die auch Menschen ohne Sehkraft wahrnehmen können. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Wertschätzung für die Natur und ihre Fähigkeit, uns in ihren Bann zu ziehen und zu berühren.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Titel: Linde
Anapher
Ich schritt vorbei an manchem Baum Im Spiel der Morgenwinde, Ich schwankte hin in wachem Traum
Enjambement
Ich schritt vorbei an manchem Baum Im Spiel der Morgenwinde, Ich schwankte hin in wachem Traum Und sah nicht, wie der Blinde.
Kontrast
Ich fand mich unterm Lindenbaum, Er hauchte Duft im Winde.
Metapher
Ich schwankte hin in wachem Traum
Personifikation
Er hauchte Duft im Winde