Lieder des Römischen Carnevals - Achtes Lied
1893Noch umflattern mich die frohen Saturnalischen Gestalten, Noch von jenem Rosenscheine Fühl′ ich selig mich umwittert, Noch von kindisch muntrer Schalkheit Bald geschmeichelt, bald gefährdet, Noch vom Lebenssturm umrauscht, Der zum wilden Tanz begeistert.
Doch die Täuschung nur der Sinne, Die Erinn′rung des Genusses Ist es nur! Von keinem Fenster Und Balkone weht ein Teppich, Keine Veilchensträuße fliegen Mehr zu schöngeschmückten Frauen, Und der kurzen Zier beraubt, Trauert Rom in seiner Stille.
Trübte sich das Lied des Sängers, Bei der eigenen Enttäuschung, Bei den langen Trauertagen Mit gerechtem Schmerz verweilend? Klagt′ es um der Liebe Freuden, Um die Freunde, die Gespielen, Um des Ruhmes goldnen Wahn, Unersetzliche Verluste?
Könnt′ es aller Lust entsagen, Und das Haupt, für Myrtenkränze Bacchuslaub und sanfte Rosen, Und vielleicht bestimmt für Lorbeer, Sollte Todtenasche decken? Nein, auch dies ist schon vorüber, Und ein neues Leben scheint Sich dem Sänger zu entfalten.
Denn der Frühling naht in seiner Lieblichkeit, in süßer Wärme Wacht er auf, und frohe Vögel Singen in des Mandels Blüte; Schwindet ja im holden Süden Nie der Lenz, der schöne Jüngling, Ganz hinweg - er schlummert nur Kurze Zeit im Lorbeerschatten.
Und es regte nicht dem Sänger Frühlingslust den frischen Busen? Wenn die Mandelbäume blühen, Keimte nichts in seinem Herzen? Wenn die milden Lüfte jubeln Vom Gesang der Vögel, griffe Nicht zur Leier seine Hand, Um ein heitres Lied zu singen?
Nein! Wer könnte solcher Allmacht, Solcher Lockung widerstehen! Neues fühlt er in sich werden, Manche Hoffnung sich erfüllen, Eine Zukunft, leicht und selig, Sieht er fern herüberschweben, Sei′s auch, daß er hier sie nicht, Im Elysium doch erreiche!
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Interpretation
Das Gedicht "Lieder des Römischen Carnevals - Achtes Lied" von Wilhelm Friedrich Waiblinger beschreibt die Nachwirkungen des römischen Karnevals und den Übergang zur Frühlingszeit. Der Sprecher reflektiert über die vergangenen Festlichkeiten und die damit verbundenen Freuden und Täuschungen. Er beschreibt, wie die Erinnerung an den Karneval noch immer in ihm nachklingt, aber auch, wie Rom nun in Stille trauert, da die Festlichkeiten vorbei sind. Der Sprecher fragt sich, ob das Lied des Sängers durch die eigene Enttäuschung und die langen Trauertage getrübt wurde. Er fragt sich, ob der Sänger um die Freuden der Liebe, die Freunde und Gespielen sowie um den Wahn des Ruhms klagt. Der Sprecher stellt die Frage, ob der Sänger alle Lust aufgeben und sein Haupt mit Totenasche bedecken sollte. Doch er kommt zu dem Schluss, dass auch dies vorüber ist und ein neues Leben dem Sänger zu erwachen scheint. Der Sprecher beschreibt den nahenden Frühling mit seiner Lieblichkeit und süßen Wärme. Er erwähnt, dass der Frühling im Süden nie ganz verschwindet, sondern nur kurz im Schatten des Lorbeers schlummert. Der Sprecher fragt sich, ob die Frühlingslust den frischen Busen des Sängers nicht erregt hat, wenn die Mandelbäume blühen und die milden Lüfte vom Gesang der Vögel jubeln. Er stellt die Frage, ob der Sänger nicht zur Leier gegriffen hat, um ein heiteres Lied zu singen. Der Sprecher schließt mit der Feststellung, dass niemand der Allmacht und Lockung des Frühlings widerstehen kann. Er beschreibt, wie der Sänger neue Gefühle in sich entstehen fühlt und viele Hoffnungen erfüllt sieht. Er sieht eine Zukunft, die leicht und selig ist, und hofft, dass er sie erreichen wird, sei es hier oder im Elysium.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Bei der eigenen Enttäuschung
- Hyperbel
- Nein! Wer könnte solcher Allmacht, Solcher Lockung widerstehen
- Metapher
- Eine Zukunft, leicht und selig, Sieht er fern herüberschweben
- Personifikation
- Und es regte nicht dem Sänger Frühlingslust den frischen Busen