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Lieder aus Capri (7)

Von

Zwar keinen Freund, der gleich geliebt den Musen,
Begeisterung entzündend und empfangend,
Im schönen Taumel sänk′ an diesen Busen,

Kein Mädchen hab′ ich, das am Arm mir gienge,
Wenn mich der Gott beseelt, schon auf der Lippe
Das heiße Lied mit einem Kuß empfienge.

Kaum blieb mir die Erinn′rung noch an beides,
Doch, ach, es ist nicht der vergangnen Freuden,
Nur die Erinnerung vergangnen Leides.

Mein Umgang, meine Freunde sind die alten
Entblößten Felsen, der umrauschten Klippen
Schwermüthige gigantische Gestalten.

Denn wie die Insel fern vom festen Lande
Verlassen ruht, so knüpfen mich ans Leben
Nicht mehr beglückende beglückte Bande.

Wohl bin ich einsam, bin ich abgeschlossen,
Mein einzig Gut ist, meine einz′ge Habe,
Was ich gelitten, was ich einst genossen.

Dem Meere gleich, seh′ ich im Wellenzuge
Der Menschheit Wechselstrom vorüber treiben,
Ich folge nicht mehr seinem falschen Truge.

Doch wie der Fels nicht mehr im Spiel der Wogen
Und Winde sich vergnügt, die seine Pfeiler
In ew′ger Wiederholung stets umzogen;

Wie hier der Aloe stolz Gewächs erblühet,
Dort Indiens Feige, Palmen und Oliven,
Hier saft′gem Laubgrün die Orang′ entglühet:

So ist nicht unfruchtbar mein stilles Leben,
In Fülle reifen goldne duft′ge Früchte,
Im Sonnenschein die Edelste der Reben.

Wird sie zuletzt der schöne Gott bemeistern,
So wird sie euch, zu reinem Wein verwandelt,
Als feuriger Gesang das Herz begeistern.

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Gedicht: Lieder aus Capri (7) von Wilhelm Friedrich Waiblinger

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Lieder aus Capri (7)“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine melancholische Reflexion über Einsamkeit, Verlust und die Suche nach Sinn in der Isolation. Es zeigt einen Dichter, der sich von der Welt entfremdet hat, aber in der Stille Trost und neue Quellen der Kreativität findet. Das Gedicht beschreibt einen Zustand des Rückzugs und der Distanzierung von menschlichen Beziehungen, gepaart mit einem inneren Reifeprozess.

Die ersten Strophen des Gedichts drücken deutlich das Gefühl des Verlustes und der Einsamkeit aus. Der Dichter beklagt das Fehlen von Freunden, die seine Begeisterung teilen, und das Fehlen einer geliebten Frau, die ihn in seinem künstlerischen Schaffen unterstützt. Die Erinnerung an vergangene Freuden wird durch die Erinnerung an vergangenes Leid ersetzt, was auf eine tiefe Traurigkeit und Enttäuschung hindeutet. Die „alten entblößten Felsen“ und „schwermütige gigantische Gestalten“ der Klippen werden zu seinen einzigen Gefährten, was seine Isolation und die Naturverbundenheit unterstreicht.

Die Mittelstrophen bringen eine Metapher des Lebens auf einer Insel, fernab vom Festland. Der Dichter vergleicht sich mit einer Insel, die verlassen und von der Welt getrennt ist. Gleichzeitig wird das Einssein als Quelle der inneren Stärke und des Reichtums dargestellt. Die Erfahrungen, sowohl die positiven als auch die negativen, werden als sein einziger Besitz betrachtet. Das Meer symbolisiert den Wechselstrom der Menschheit, dem er nicht mehr folgt. Trotz der Einsamkeit findet der Dichter Trost in der Natur und in der Selbstreflexion.

Die abschließenden Strophen des Gedichts bieten einen Hoffnungsschimmer. Wie die Felsen, die von den Wellen umspült werden, und die Vegetation, die auf der Insel gedeiht, so erblüht auch das Leben des Dichters in seiner Isolation. Durch die erlebten Leiden und Freuden reifen „goldne duft’ge Früchte“ und „Edelste der Reben“ heran. Die Metapher des Weins, der aus diesen Früchten gewonnen wird, deutet auf die Verwandlung von Leid in Kunst und Schönheit hin. Das Gedicht endet mit einer Vision, in der die Kunst, gespeist aus Erfahrung und Einsamkeit, das Herz der Leser begeistern wird.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.