Lieder aus Capri (6)
1893Wer hätte je so schwesterlich verbunden Die Kraft der ungesell′gen Elemente In einem einz′gen schönen Stern gefunden?
Verklärt schien mir in seinem Glanz die Erde, Das Irdische verewigt und vergeistigt, Ich wähnte, daß es nie vergehen werde.
Des ganzen Himmels Schöne lacht′ in blauen, In offnen, undurchdringlich hellen Tiefen, Nie konnt′ ich bis zu ihrem Grunde schauen.
Sein Licht, es galt mir mehr als Mond und Sonne, Den Frühling bringen sie, mir brachte jenes Die keuschen Rosen erster Liebeswonne.
Ach denk′ ich gar der süßen, heißen Fluthen, Womit der Schmerz, die Wehmuth es gefeuchtet, Fängt mir′s im tiefsten Herzen an zu bluten.
Genügt dir Eines schon, der Stürme Wehen, Die Macht des Meers, der Flammen und der Erde, Nur Eins, im Elemente zu vergehen,
Dann darf der Sterbliche fürwahr nicht klagen, Der einst sie alle seelenvoll zerflossen In eines Auges feuchtem Licht ertragen.
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Interpretation
Das Gedicht "Lieder aus Capri (6)" von Wilhelm Friedrich Waiblinger thematisiert die überwältigende Schönheit und emotionale Wirkung eines Sterns, der als Symbol für die Vereinigung der Elemente und die Vergegenwärtigung des Irdisch-Irdischen steht. Der Stern wird als einzigartiger und unvergänglicher Lichtpunkt dargestellt, der den Sprecher tief berührt und ihm mehr bedeutet als Mond und Sonne. Die Schönheit des Himmels, die in den blauen, offenen Tiefen des Sterns zum Ausdruck kommt, wird als unergründlich und transzendent beschrieben. Das Gedicht beschreibt auch die bittersüße Erinnerung an die "süßen, heißen Fluten", die den Stern mit Schmerz und Wehmut durchtränkt haben, was den Sprecher emotional berührt und ihm das Herz bluten lässt. Der Stern wird als Quelle der ersten Liebeswonne und als Symbol für die Reinheit und Unschuld der Liebe dargestellt. Der Sprecher erkennt an, dass der Tod durch die Elemente genügen kann, aber er bedauert nicht, dass er einst alle Elemente in einem einzigen Augenblick der Liebe und des Lichts erlebt hat. Das Gedicht ist eine Ode an die Schönheit und die emotionale Kraft der Natur und der Liebe, die den Sprecher tief berührt und ihm eine transzendente Erfahrung ermöglicht. Es ist eine Hommage an die Kraft der Elemente und die Fähigkeit des Menschen, sie in einem einzigen Augenblick zu erfassen und zu verewigen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die keuschen Rosen erster Liebeswonne
- Hyperbel
- Die Macht des Meers, der Flammen und der Erde
- Metapher
- Im Elemente zu vergehen
- Personifikation
- Der Schmerz, die Wehmuth es gefeuchtet