Es stand ein Veilchenstrauß an meinem Bette,
Der duftete mir zu gar süßen Traum:
Ich lag am Abhang einer Hügelkette,
Und überblüht von Veilchen war der Raum:
So viele wuchsen nie an einer Stätte,
Man sah vor ihrem Blau den Rasen kaum;
Da sprach das Herz: Hier ging mein Lieb, das traute,
Und Veilchen sproßten auf, wohin sie schaute.
Lieder als Intermezzo XVIII.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Lieder als Intermezzo XVIII.“ von Emanuel Geibel zeichnet sich durch eine romantische Stimmung und eine melancholische Sehnsucht aus, die durch die Verwendung von floralen Bildern und einer verträumten Atmosphäre erzeugt wird. Das Gedicht beginnt mit der Anordnung eines Veilchenstraußes am Bett des Sprechers, was sofort eine intime und private Szene etabliert. Der Duft des Straußes führt den Sprecher in einen süßen Traum, wodurch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen und eine verträumte Welt geschaffen wird, die das Fundament für die folgenden Verse legt.
Der Kern des Gedichts liegt in der Vision des Sprechers, der sich am Abhang einer Hügelkette wähnt, umgeben von einer überwältigenden Fülle von Veilchen. Dieses Bild der überbordenden Natur, wo „so viele wuchsen nie an einer Stätte“, symbolisiert die Üppigkeit und Schönheit, die mit der Erinnerung an die geliebte Person verbunden sind. Das Blau der Veilchen überwältigt den Rasen, wodurch die Augen des Betrachters zu einer einzigen, sinnlichen Erfahrung geleitet werden, die stark von Emotionen durchdrungen ist. Dies dient als Metapher für die alles überragende Wirkung der Liebe und der Erinnerung.
Der Wendepunkt des Gedichts liegt in der direkten Ansprache des Herzens. Die Zeile „Da sprach das Herz: Hier ging mein Lieb, das traute,“ offenbart die Quelle der Emotionen und der visuellen Darstellung. Es ist das Herz, das die Verbindung zwischen der gegenwärtigen Szene und der Erinnerung an die geliebte Person herstellt. Das Herz wird zum Vermittler zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Realität. Die darauf folgende Aussage, „Und Veilchen sproßten auf, wohin sie schaute“, verstärkt die Verbindung zwischen der Geliebten und der Natur, die sich in ihrer Anwesenheit entfaltet und erblüht.
Insgesamt ist das Gedicht eine feinfühlige Reflexion über Liebe, Erinnerung und die Kraft der Natur, diese zu reflektieren. Geibel nutzt einfache, aber effektive Bilder, um eine Atmosphäre der Romantik und Sehnsucht zu erzeugen. Die Veilchen werden zu einem Symbol für die Präsenz der geliebten Person, wobei deren Blick oder Anwesenheit das Wachstum und die Schönheit der Natur beflügelt. Das Gedicht endet mit einer bittersüßen Note, die die tiefe Verbindung zwischen Liebe, Verlust und der dauerhaften Präsenz der Erinnerung in der Natur hervorhebt.
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