Lieder (1)

Luise Büchner

1821

Kam die Liebe in mein Herz gezogen, Kam nicht wie ein heitrer Sommertag, Kam nicht wie das junge Grün im Walde, Wie die duft′ge Blume auf der Halde, Kam wie Noth und bitt′res Ungemach.

Wohl ist wie ein Sommertag sie kommen, Aber ganz von Staub und Gluth erfüllt; Wie das Grün vom nächt′gen Frost verheeret, Wie die Blume, die der Wurm verzehret, Eh′ die Knospe sich noch ganz enthüllt!

Anders, anders ahnte sie die Seele, Anders hoffte sie mein pochend Herz; Aber, ob sie mir im Festgeschmeide Sei erschienen, ob im Trauerkleide, Nimmer tausch′ ich meinen süßen Schmerz!

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Interpretation

Das Gedicht "Lieder (1)" von Luise Büchner handelt von der Erfahrung der Liebe, die nicht wie ein heiterer Sommertag oder die duftende Blume auf der Halde kommt, sondern wie Not und bitteres Ungemach. Die Liebe wird als etwas Vergängliches und Zerstörerisches dargestellt, das wie ein Sommertag voller Staub und Glut kommt, aber auch wie das Grün vom nächtlichen Frost verheert wird und wie eine Blume, die der Wurm verzehrt, bevor sie sich ganz entfaltet. Die Seele und das Herz des lyrischen Ichs hatten sich die Liebe anders vorgestellt, aber trotz allem möchte das lyrische Ich seinen "süßen Schmerz" nicht eintauschen. Das Gedicht beschreibt die Enttäuschung und den Schmerz, der mit der Erfahrung der Liebe einhergeht. Die Liebe wird als etwas Unerwartetes und Unkontrollierbares dargestellt, das nicht den Erwartungen des lyrischen Ichs entspricht. Die Naturbilder wie der Sommertag, das Grün im Wald und die Blume auf der Halde werden verwendet, um die Schönheit und Vergänglichkeit der Liebe zu verdeutlichen. Die Metaphern des Staubes, der Glut, des Frostes und des Wurms unterstreichen die Zerstörung und das Leid, das die Liebe bringen kann. Trotz der Enttäuschung und des Schmerzes, den die Liebe mit sich bringt, ist das lyrische Ich bereit, seinen "süßen Schmerz" nicht einzutauschen. Dies deutet darauf hin, dass die Liebe, trotz ihrer negativen Aspekte, immer noch einen Wert und eine Bedeutung hat. Das Gedicht vermittelt die Idee, dass die Liebe, obwohl sie oft mit Leid und Enttäuschung verbunden ist, dennoch ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens ist und dass die Erfahrung der Liebe, auch wenn sie schmerzhaft ist, nicht aufgegeben werden sollte.

Schlüsselwörter

kam anders herz sommertag grün blume ganz liebe

Wortwolke

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Stilmittel

Antithese
Nimmer tausch′ ich meinen süßen Schmerz
Kontrast
Ob sie mir im Festgeschmeide sei erschienen, ob im Trauerkleide
Metapher
Kam wie Noth und bitt′res Ungemach
Vergleich
Wie die Blume, die der Wurm verzehret