Liedchen
1827Schau ich mein liebes Mädchen an, Steht mir das Wünschen fern, Kein Unfried kommt an mich heran, Und Alles thu ich gern.
Sie spricht zu mir, ich liebe dich! Was ist, was klingt so süß? Und schwiege sie, es triebe mich Wie aus dem Paradies.
Dann lief ich in der Welt herum Gedankenlos und krank, Als wie ein Fisch so stumm und dumm, Als wie ein Rohr so schwank
Der Himmel wäre nicht mehr blau, Ein Schreck mir Trank und Speis, Der Sommer als ein Winter rauh, Der Winter sommerheiß.
Die rothen Rosen abgeblaßt, Ein Aschenrauch das Licht, Und ganz abscheulich, ganz verhaßt Ein Menschenangesicht.
Wie froh bin ich, wie hochbeglückt, Sie hat mich nie gekränkt, Sie hat mir einen Strauß gepflückt Und einen Kuß geschenkt.
Nun bin ich stark und stolz und reich, Ich möchte Riesen stehn, Ich glaub, ich wollte sterben gleich, Müßt es um sie geschehn!
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Interpretation
Das Gedicht "Liedchen" von Ludwig Eichrodt beschreibt die tiefe Liebe und Zuneigung des lyrischen Ichs zu einem Mädchen. Der erste Teil des Gedichts schildert die positive Wirkung, die das Mädchen auf den Sprecher hat. Wenn er sie ansieht, empfindet er keine Sehnsucht oder Unzufriedenheit mehr, sondern findet Freude an allem. Ihre Worte "Ich liebe dich" klingen für ihn wie Musik, und selbst ihre Stille treibt ihn in einen Zustand des Glücks, der an das Paradies erinnert. Im zweiten Teil des Gedichts beschreibt der Sprecher die negative Seite seines Lebens ohne das Mädchen. Er fühlt sich verloren, orientierungslos und krank. Die Welt erscheint ihm verzerrt und unangenehm. Der Himmel ist nicht mehr blau, das Essen und Trinken bereitet ihm Schrecken, und die Jahreszeiten haben ihre gewohnten Eigenschaften verloren. Die Schönheit der Natur, wie die roten Rosen, ist verblasst, und das Licht ist von Asche verdeckt. Selbst menschliche Gesichter erscheinen dem Sprecher abstoßend und verhasst. Im letzten Teil des Gedichts kehrt die Freude und das Glück des lyrischen Ichs zurück. Das Mädchen hat ihm einen Strauß gepflückt und einen Kuss geschenkt, ohne ihn jemals zu kränken. Nun fühlt er sich stark, stolz und reich. Er möchte Riesen gegenüberstehen und wäre bereit, für sie zu sterben. Das Gedicht endet mit einem Ausdruck der tiefen Verbundenheit und der Bereitschaft, alles für die geliebte Person zu tun.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Der Himmel wäre nicht mehr blau, Ein Schreck mir Trank und Speis, Der Sommer als ein Winter rauh, Der Winter sommerheiß
- Kontrast
- Sie hat mich nie gekränkt, Sie hat mir einen Strauß gepflückt Und einen Kuß geschenkt
- Metapher
- Wie aus dem Paradies
- Personifikation
- Kein Unfried kommt an mich heran
- Vergleich
- Als wie ein Fisch so stumm und dumm, Als wie ein Rohr so schwank