Lied und Gebilde

Johann Wolfgang von Goethe

unknown

Mag der Grieche seinen Ton Zu Gestalten drücken, An der eignen Hände Sohn Steigern sein Entzücken;

Aber uns ist wonnereich. In den Euphrat greifen Und im flüss’gen Element Hin und wider schweifen.

Löscht ich so der Seele Brand, Lied, es wird erschallen; Schöpft des Dichters reine Hand, Wasser wird sich ballen.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Lied und Gebilde

Interpretation

Das Gedicht "Lied und Gebilde" von Johann Wolfgang von Goethe thematisiert den Kontrast zwischen der klassischen antiken Kunst und einer moderneren, fließenden Form der Schöpfung. Der griechische Ansatz wird als statisch und formgebunden dargestellt, wobei der Ton in feste Gestalten gepresst und an den "eignen Hände Sohn" gesteigert wird, was auf die Bildhauerei und die Verehrung des eigenen Werkes hindeutet. Im Gegensatz dazu preist der Sprecher die "wonnereiche" Fähigkeit, in den Euphrat zu greifen und im "flüss'gen Element" zu schweifen. Dies symbolisiert eine freiere, flüssigere Form der Kunst, die nicht an feste Formen gebunden ist. Der Euphrat, ein Fluss in Mesopotamien, steht hier für den Ursprung und die Quelle der Kreativität, die nicht durch starre Strukturen eingeschränkt wird. Der letzte Versabschnitt verbindet diese Ideen, indem er zeigt, dass durch das Löschen der "Seele Brand" (das Dämpfen der Leidenschaft) das Lied erklingt, und durch die "reine Hand" des Dichters sich das Wasser ballt. Dies deutet darauf hin, dass wahre Kunst aus einer Balance von Kontrolle und Freiheit entsteht, wobei der Dichter die Fähigkeit hat, aus dem Fließenden Form zu schaffen, ohne dabei die Essenz der Flüssigkeit zu verlieren.

Schlüsselwörter

mag grieche ton gestalten drücken eignen hände sohn

Wortwolke

Wortwolke zu Lied und Gebilde

Stilmittel

Metapher
Wasser wird sich ballen