Lied der Sehnsucht des Kuno Kohn

Alfred Lichtenstein

1919

Die Falten des Meeres platzen wie Peitschen auf meiner Haut. Und die Sterne des Meeres reißen mich auf.

Von schreienden Wunden ist der Abend des Meeres Einsamen. Aber die Liebenden finden den guten verträumten Tod …

Sei bald da, Schmerzäugige, das Meer tut so weh. Sei bald da, Liebleidende, das Meer erschlägt mich so.

Deine Hände sind kühle Heilige. Hüll mich mit ihnen, das Meer brennt auf mir. Hilf doch! Hilf doch! … Deck mich. Rette mich. Heil mich, Freundin.

Mutter … du -

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Illustration zu Lied der Sehnsucht des Kuno Kohn

Interpretation

Das Gedicht "Lied der Sehnsucht des Kuno Kohn" von Alfred Lichtenstein beschreibt die seelische Qual und das Verlangen nach Erlösung eines einsamen Menschen, der sich vom Meer bedroht und verletzt fühlt. Die Metaphern des Meeres als schmerzhaft und zerstörerisch verdeutlichen die innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs. Die wiederholten Hilferufe und die Anrufung einer "Schmerzäugigen" und "Liebleidenden" zeigen die tiefe Sehnsucht nach Trost und Rettung durch eine geliebte Person. Die Bilder von aufplatzenden Falten und reißenden Sternen symbolisieren die gewaltsame und überwältigende Natur der seelischen Schmerzen. Der Kontrast zwischen dem schreienden Schmerz des einsamen Ichs und dem "guten verträumten Tod" der Liebenden unterstreicht die Isolation und Verzweiflung des lyrischen Ichs. Die Bitte um kühlende Hände und die verzweifelten Rufe nach Hilfe, Rettung und Heilung verdeutlichen die akute Not und die Hoffnung auf Erlösung durch die angesprochene Person. Der abrupte Schluss mit dem Wort "Mutter" lässt vermuten, dass das lyrische Ich in seiner Verzweiflung auch an die Mutter als letzte Zuflucht und Quelle des Trostes appelliert. Die fehlende Interpunktion und die fragmentarische Struktur des Gedichts spiegeln die aufgewühlten Emotionen und die zerrissene Psyche des lyrischen Ichs wider. Insgesamt vermittelt das Gedicht eindringlich das Bild eines Menschen, der von Schmerz und Einsamkeit überwältigt wird und verzweifelt nach Erlösung und Liebe sucht.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Apostrophe
Sei bald da, Liebleidende, das Meer erschlägt mich so.
Bildsprache
Von schreienden Wunden ist der Abend des Meeres Einsamen.
Ellips
Mutter ... du -
Hyperbel
Hilf doch! Hilf doch! ... Deck mich. Rette mich. Heil mich, Freundin.
Kontrast
Aber die Liebenden finden den guten verträumten Tod ...
Metapher
Deine Hände sind kühle Heilige.
Personifikation
Die Sterne des Meeres reißen mich auf.